Brexitannien: Konsequenzen des Ausscheidens Großbritanniens aus der Europäischen Union

Der Brexit bildet eine historische Zäsur. Seine Wurzeln reichen siebzig Jahre zurück, seine Folgen werden lange nachwirken. Der Brexit ist vor allem eine Entscheidung Englands. Er hat die dort schwelende EU-Debatte nicht gelöscht, sondern erst richtig entfacht. Er hat dem Land nicht Geschlossenheit gebracht, sondern es unversöhnlicher gespalten als je zuvor. Die angeblichen Vorteile des Brexit bleiben vage. Die ökonomischen Probleme des Brexit sind hingegen konkret. Sie werden weniger dramatisch ausfallen als im Meinungskampf behauptet, aber sie werden langfristig erhebliche Mittel binden, die sich für andere Zwecke hätten effektiver verwenden lassen. Der Brexit stellt ungewohnte Fragen an die Machtverteilung im Vereinigten Königreich und an den Zusammenhalt eines in vier Nationalitäten gegliederten Staatsvolks. Ein Grenzregime auf der irischen Insel zu finden, das den mühsam gefundenen Ausgleich von 1998 nicht untergräbt, gleicht der Quadratur des Kreises. Kaum jemand, der 2016 für Leave gestimmt hat, kann mit den heutigen Ergebnissen zufrieden sein. Das Referendum vom Juni 2016 ist ein Musterbeispiel für Gefahren und Unwägbarkeiten von Volksabstimmungen.

Die EU ihrerseits steht vor einer existentiellen Krise. Der Mythos der Unumkehrbarkeit und der Anspruch, das manifest destiny Europas zu verkörpern, sind dahin. Die EU verliert ein wichtiges, leistungsfähiges und wirtschaftlich starkes Mitglied. Sie verliert an internationalem Gewicht, Einfluss und Bedeutung. Sie kommt an einer kritischen Bestandsaufnahme nicht vorbei. Der Brexit stellt die bisherige Einbahnstraße zu „immer mehr Europa“ in Frage. Wird der Brexit-Prozess nicht weit- und umsichtig gesteuert, droht eine Phase von Ressentiments, Animositäten und wachsender Antipathie zwischen dem kontinentalen Europa und England, ohne das Jahrhunderte europäischer Geschichte gar nicht vorstellbar sind.

 

PROGRAMM

16:15 Uhr Begrüßung

Prof. Dr. Johannes Varwick

Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europäische Politik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

16:20 Uhr Vortrag

Dr. Rudolf Adam

Anschließend Diskussion

Moderation: Prof. Dr. Johannes Varwick

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