Resilienz und Verteidigungsfähigkeit gehören zu den größten gesellschaftlichen Aufgaben der Gegenwart. Deutschland formuliert zwar den Anspruch einer gesamtgesellschaftlichen Verteidigung, doch zwischen staatlichen Maßnahmen und ihrer tatsächlichen Wirkung in der Bevölkerung klafft eine erhebliche Lücke. Noch immer werden komplexe sicherheitspolitische Herausforderungen mit überholten Ansätzen beantwortet – etwa indem gesellschaftliche Beteiligung an Verteidigung weiterhin primär über den militärischen Wehrdienst junger Männer gedacht wird, in Budgetdebatten Verteidigungs- gegen Sozialpolitik ausgespielt werden oder ehrenamtliches Engagement kaum gefördert und kommunikativ als Beitrag zu Deutschlands Resilienz und Sicherheit anerkannt wird.
Eine vielfältige, demokratische und selbstbewusste Zivilgesellschaft lässt sich jedoch nicht mit Top-down-Logiken, paternalistischen Beteiligungsprozessen oder einseitigen Erwartungshaltungen aus einer vergangenen Zeit gewinnen. Solche Ansätze vertiefen gesellschaftliche Gräben und unterminieren damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt – eine zentrale Voraussetzung für Resilienz und damit ein Kernbestandteil nationaler Verteidigungsfähigkeit.
Wenn Deutschland das Ziel einer nachhaltigen Verteidigungsfähigkeit ernst nimmt, muss Verteidigungspolitik als inklusive Gesellschaftspolitik verstanden und konsequent umgesetzt werden. Nur durch kluge Politiken, die soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Transparenz fördern, entsteht das Vertrauen, das notwendig ist, um Belastungen fair zu verteilen und gesellschaftliche Vielfalt als Stärke zu nutzen.
Dieses Themenforum will dafür einen Raum öffnen: Es diskutiert, wie moderne Gesellschaften Sicherheit gestalten, welche politischen Impulse erforderlich sind und wie Deutschland den Anspruch der gesamtgesellschaftlichen Verteidigung in die Praxis überführen kann.
Wir freuen uns darauf, mit diesen Speaker*innen zu diskutieren:
- – Jan Müller, Bundesjugendvertreter Verband der Beamten und Beschäftigten der Bundeswehr
- – Irma Petraityte-Luksiene, Vorsitzende der Kommission für zivile Resilienz der litauischen Diaspora
- – Leonie Stamm, Research Fellow, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik
- – Konstantin von Notz, Mitglied des Deutschen Bundestages