Im Treppenhaus eines größeren Wohnhauses begegnen sich zwei Nachbarn, deren Kontakt sich bis jetzt auf den flüchtigen Austausch von Höflichkeitsfloskeln beschränkt hatte. Von seiner hinter den Kulissen agierenden Ehefrau, die ihre sämtlichen Informationen aus dem Internet bezieht, stellt der Nachbar von oben dem von unten die entscheidende erste Frage: „Sind Sie Jude?“
In einem französischen Treppenhaus begegnen sich ein jüdischer und ein nichtjüdischer Nachbar immer wieder zufällig vor ihren Wohnungstüren. Aus kurzen Alltagsmomenten entstehen Gespräche, die zwischen humorvollen Schlagabtauschen und nachdenklichen Dialogen changieren. Jean-Claude Grumberg verwebt dabei Religion, Geschichte der jüdischen Diaspora und politische Gegenwart zu einer klugen Komödie, die zeigt, wie Vorurteile, Doppelstandards und vorschnelle „Ja, aber…“-Urteile entstehen – und wie sie sich im direkten Austausch auflösen können.
Nicht nur für Schülerinnen und Schüler bietet das Stück einen lebendigen Zugang zu gesellschaftspolitischen Themen. Durch Humor und Alltagsnähe werden Mechanismen von Stereotypen greifbar und regen dazu an, eigene Denkmuster zu reflektieren. Die Begegnungen der beiden Nachbarn sensibilisieren für antisemitische Zuschreibungen, fördern Perspektivwechsel und unterstützen eine demokratische, vorurteilsbewusste Haltung. So wird politische Bildung erfahrbar, indem das Stück zeigt, wie Dialog Spannungen abbauen und Verständnis schaffen kann – und wie überraschend sich Positionen verändern, wenn Menschen wirklich miteinander sprechen.
Regie: Stefan Krause, neues schauspiel köln und rimon productions
Schauspiel: Anton Tsirin und Frank Baumstark
Im Anschluss an die Aufführung findet ein Publikumsgespräch statt mit Britta Shulamit Jakobi (Leitung rimon productions), Anton Tsirin (Schauspieler) und Frank Baumstark (Schauspieler).