2. Teil der Reihe »Auch Deutsche unter den Opfern: Eine Reihe zum Thema Rechtsextremismus«
Rechtsextreme Frauen wurden lange Zeit kaum beachtet. Der Fokus lag ausschließlich auf Männern. Der Blick auf Frauen zeigt auch historisch, dass sie entweder monströs dargestellt werden (»Die Hexe von Buchenwald«), als manipuliertes Opfer (»töten aus Liebe«) oder schlicht ignoriert. In medialer Berichterstattung wird häufig auf positive Aspekte ihrer Persönlichkeit verwiesen (privat ganz nett, ganz unauffällig). Die mörderische Gefahr, die von ihnen in ebensolchem Maße ausgeht wie von männlichen Rechtsextremen wird dabei unterschätzt oder sogar abgewiegelt. Moderne rechtsextreme Bewegungen verbreiten Frauenbilder von der Hausfrau und Mutter (Tradwives), die den Kindern völkische Märchen vorliest, während bei Demonstrationen und Straßenaktionen vermehrt auch junge Frauen sichtbar werden. Welche Rolle nehmen Frauen in extrem rechten Gruppierungen ein? Was ist der Reiz für sie an der Ideologie? Wie kann die öffentliche Wahrnehmung geschärft werden?
Auf dem Podium kommen miteinander ins Gespräch:
- Eike Sander, Autorin
- Dr. Ljiljana Heise, mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin
- Dr. Juliane Lang, Sozialwissenschaftlerin, Justus-Liebig-Universität Gießen
- Dr. Pia Lamberty, Psychologin
Es moderiert Dilek Üşük, Moderatorin und Journalistin
Über die Veranstaltungsreihe
Mit der Reihe »Auch Deutsche unter den Opfern« (O-Ton Polizeibericht) greift die Berliner Landeszentrale für politische Bildung das Thema Kontinuitäten des Rechtsextremismus und aktuelle gesellschaftliche Prozesse auf. Der Hass auf vermeintliche Minderheiten, die Angriffe auf demokratische Institutionen und das Verbreiten hetzerischer, menschenverachtender und teilweise verschwörungsgläubiger Inhalte stellt eine der größten Bedrohungen für unsere freiheitliche Gesellschaft und demokratische Ordnung dar. In acht Foren, einer Lesung und drei Filmabenden wird Raum geschaffen, unterschiedliche Phänomene des Rechtsextremismus bis hin zu rechtsterroristischen Aktivitäten in ihrer gesamtgesellschaftlichen Bedeutung mit Expertisen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Alle Veranstaltungen finden unter Beteiligung des Publikums statt.
Der Titel der Reihe nimmt Bezug auf deutsche Debatten über die Opfer rechtsextremer Morde und ihrer Herkunft. Dies verweist auch auf Fragen wie: Wer ist deutsch? Wer nicht? Wessen wird wie gedacht? Und letztlich: Was ist ein Menschenleben wert?