5. Teil der Reihe »Auch Deutsche unter den Opfern: Eine Reihe zum Thema Rechtsextremismus«
Die Hakenkreuzschmierwelle, der Doppelmord an Shlomo Lewin und Frida Poeschke, das Oktoberfestattentat, die Mordserie des NSU, der Anschlag und die Morde von Halle, die Morde von Hanau und viele weitere – rechter Terror gehört zur Geschichte Deutschlands als Kontinuität dazu, auch wenn das öffentliche und mediale Narrativ ein anderes zu sein scheint. Immer wieder werden Opfer und Hinterbliebene als (mit-)schuldig verunglimpft und Täter als Einzeltäter dargestellt oder psychisch labil oder ideologisch nicht gefestigt. Die Selbstenttarnung eines Teils des NSU und das Bekanntwerden der Mordserie haben die öffentliche Wahrnehmung teilweise auf diese Schieflage gelenkt und eine „lückenlose Aufklärung“ wurde versprochen. Hat sich langfristig etwas verändert? Woher kommen das Verdrängen und Uminterpretieren rechtsterroristischer Strafakte? Was bedeutet es für das Zusammenleben in Deutschland, wenn Opfer und ihre Familien Schuldzuweisungen anstelle von Schutz und Unterstützung erfahren? Welche Kontinuitäten des Rechtsterrorismus gibt es? Und was bedeuten diese für staatliches und Behördenhandeln?
Auf dem Podium kommen miteinander ins Gespräch:
- Gamze Kubaşık, politische Rednerin und Autorin
- Antonia van der Behrens, Rechtsanwältin und NSU-Nebenklagevertretung
- Dr. Gideon Botsch, Leiter der Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus (EJGF) am Moses-Mendelsohn-Zentrum der Universität Potsdam
Es moderiert Dilek Üşük.
Über die Veranstaltungsreihe
Mit der Reihe »Auch Deutsche unter den Opfern« (O-Ton Polizeibericht) greift die Berliner Landeszentrale für politische Bildung das Thema Kontinuitäten des Rechtsextremismus und aktuelle gesellschaftliche Prozesse auf. Der Hass auf vermeintliche Minderheiten, die Angriffe auf demokratische Institutionen und das Verbreiten hetzerischer, menschenverachtender und teilweise verschwörungsgläubiger Inhalte stellt eine der größten Bedrohungen für unsere freiheitliche Gesellschaft und demokratische Ordnung dar. In insgesamt sieben Foren, zwei Lesungen und drei Filmabenden wird Raum geschaffen, unterschiedliche Phänomene des Rechtsextremismus bis hin zu rechtsterroristischen Aktivitäten in ihrer gesamtgesellschaftlichen Bedeutung mit Expertisen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Alle Veranstaltungen finden unter Beteiligung des Publikums statt.
Der Titel der Reihe nimmt Bezug auf deutsche Debatten über die Opfer rechtsextremer Morde und ihrer Herkunft. Dies verweist auch auf Fragen wie: Wer ist deutsch? Wer nicht? Wessen wird wie gedacht? Und letztlich: Was ist ein Menschenleben wert?