Die Stolperstein-Konferenz dient der Anerkennung und Vernetzung von lokalen Initiativen und Einzelpersonen in allen Bezirken Berlins, die in freiwilligem Engagement Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus initiieren und pflegen. Sie bietet aktuelle Impulse zu verschiedenen Themen der Erinnerungskultur und der historischen Bildungsarbeit, sowie Raum zum gegenseitigen Kennenlernen und für den Erfahrungsaustausch.
Ausgerichtet wird die Konferenz in Kooperation zwischen der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, der Berliner Landeszentrale für politische Bildung, der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin und dem Anne Frank Zentrum.
Programm
15.30 Uhr | Angebot einer Kurzführung durch die Dauerausstellung der Topographie des Terrors. Separate Anmeldung per E-Mail bis 27.03.26 erforderlich unter: kavcic@stolpersteine-berlin.de
16.15 Uhr | Einlass ins Auditorium (Untergeschoss)
16.30 Uhr | Begrüßung durch Cerstin Richter-Kotowski, Staatssekretärin für Kultur
16.40 Uhr | Impulsvortrag „Verfolgungspolitik im Nationalsozialismus. Zur Praxis von Polizei und SS“, Dr. Andrea Riedle, Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors
17.30 Uhr | Pause
17.45 Uhr | Beginn der Workshops – es kann einer von fünf Workshops ausgewählt werden (Beschreibung siehe unten)
19.45 Uhr | Ende der Workshops
20.00 Uhr | Empfang
21.00 Uhr | Ende der Veranstaltung
Workshops
Workshop 1: Erinnerungen von Otto Rosenberg und die Situation von Sinti und Roma in der Nachkriegszeit
Petra Rosenberg trägt Passagen aus den Erinnerungen ihres Vaters Otto Rosenberg vor. Im Anschluss thematisiert sie die Situation von Sinti und Roma während der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus. Dabei geht sie auch auf die schwierige und weiterhin von Ausgrenzung geprägten Lage in der Nachkriegszeit ein.
Leitung: Petra Rosenberg, Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg
Moderation: Dr. Silvija Kavčič, Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
Workshop 2: Das „Chinesenviertel“ in Hamburg-St. Pauli
Über den Hamburger Hafen gelangten chinesische Seeleute nach St. Pauli, in dessen Straßen sich Mitte der 1920er Jahre ein „Chinesenviertel“ bildete. Während des „Dritten Reiches“ verfolgten Polizei und Gestapo die ausnahmslos männlichen Chinesen, insbesondere im Zuge der „Chinesenaktion“ im Mai 1944. Der Workshop behandelt diese ungewöhnliche Geschichte und fragt nach Kontinuitäten und Besonderheiten der NS-Verfolgung der Chinesen in Hamburg.
Leitung: Dr. Lars Amenda, freier Historiker und Autor, Mitglied des St. Pauli-Archivs
Moderation: Sophia Schmitz, Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
Workshop 3: Verschleppt, verschlissen, vergessen: „Ostarbeiter“ – eine Leerstelle in der Berliner Erinnerungskultur?!
Hunderttausende Zwangsarbeiter*innen wurden während des Zweiten Weltkriegs nach Berlin verschleppt, um die Kriegswirtschaft unter widrigsten Bedingungen aufrechtzuerhalten. Geprägt von rassistischer Ausbeutung und Entwürdigung war ihre Arbeit ein geplantes Verbrechen, das kaum eine Fabrik der Stadt ausließ. Dennoch sind ihre Geschichten in der heutigen Berliner Erinnerungskultur kaum präsent. Dies gilt insbesondere für die sogenannten „Ostarbeiter“: In der NS-Hierarchie weit unten eingestuft und massiv entrechtet, prägten sie einst das Stadtbild und wurden dennoch nach 1945 weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt.
In diesem Workshop analysieren wir die Ursachen dieser Unsichtbarkeit und diskutieren Möglichkeiten, diese Verbrechen und die Biografien der Betroffenen im öffentlichen Raum sichtbar zu machen.
Leitung: Sergej Prokopkin, Jurist und Social-Justice-Trainer
Moderation: Anja Witzel, Berliner Landeszentrale für politische Bildung
Workshop 4: SHOAH STORIES: Holocaust-Bildung mit Kurzvideos
Wie verändert sich die Erinnerungskultur durch individuelle »Content-Produktion« und soziale Medien? Was kann der Masse an Fake-Videos und Holocaust-verzerrenden Darstellungen auf Tiktok, Instagram und Co. entgegengesetzt werden? Der Workshop gibt einen Einblick in die digitale Plattform SHOAH STORIES, die faktenbasierte Inhalte durch Kurzvideos zugänglich macht – produziert von Gedenkstätten, Museen, Überlebenden und Influencer*innen aus aller Welt. Der Workshop zeigt, wie Bildung zum Holocaust mit Kurzvideos genutzt werden kann, um (junge) Menschen in den sozialen Medien zu erreichen.
Leitung: Till Strätz, Anne Frank Zentrum
Moderation: Dr. Verena Haug, Anne Frank Zentrum
Workshop 5: Spurensuche, die mich selbst betrifft
Der Nationalsozialismus wirkt auf vielfältige Weisen in die heutige Gesellschaft hinein. Manchmal spielt die eigene Familiengeschichte eine Rolle beim erinnerungskulturellen Engagement. Doch wie kann man herausfinden, welche Rollen die eigenen Familienangehörigen oder Bekannten damals innehatten? Im Workshop werden Möglichkeiten und Herausforderungen der persönlichen Recherche in Bezug auf den Nationalsozialismus gemeinsam reflektiert.
Leitung: Dr. Johannes Spohr, present-past.net
Moderation: Thomas Gill, Berliner Landeszentrale für politische Bildung