Der vergessene Arbeiter-Widerstand

Zwei Leben für die Befreiung: Harry und Martha Naujoks. Reihe: Vielfalt sozialistischen Denkens

Der dem 78. Waisenhausgespäch zugrundeliegende Doppelband »Martha und Harry Naujoks: Zwei Leben für die Befreiung. Aufbrüche, Aufstände und Niederlagen Zwischen Revolution und Inferno« erinnert an eine heute weitgehend vergessene Geschichte: den kommunistischen Widerstand aus früher Zeit in der Weimarer Republik. Beide Protagonisten gehörten zu jenen Arbeiterinnen und Arbeitern, die 1923 in Hamburg den Aufstand wagten.

Der 1973 fertiggestellte Dokumentarfilm »Der Hamburger Aufstand Oktober 1923« endet mit dem bitteren Résumé: »Der Arbeiter hat in den Grenzen des bürgerlichen Staates keine Geschichte. Die Liste seiner Helden führen das Standgericht und der Fabrikportier aus dem reformistischen Gewerkschaftsverband. Nachdem sie mit Waffen gesiegt hat, sucht die Bourgeoisie das verhasste Andenken an die kürzlich erlebte Gefahr mit Vergessenheit zu ersticken.« Dieser Aufstand blieb allein, obwohl er anders konzipiert war. Einige Historiker sehen in ihm sogar die letzte Chance vor dem Dritten Reich, die die spätere Machtübernahme des Nationalsozialismus hätte verhindern können.

Harry Naujoks war zur Zeit des Aufstands Leiter des Kommunistischen Jugendverbandes in Hamburg. 1933 verhaftet, wurde er 1936 in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und 1942 mit anderen Häftlingen »zur Vernichtung durch Arbeit« in das KZ Flossenbürg deportiert. Bereits 1939 leitete er als »Lagerältester« den Aufbau illegale Widerstandsgruppen im Lager und konnte nachweislich zahlreichen Häftlingen das Leben retten.

Das von Historikern geschätzte Werk wird im zweiten Band mit der ersten Biografie seiner Lebenspartnerin Martha Naujoks ergänzt. Heute fast unbekannt, war sie eine herausragende Revolutionärin. Bereits 1921 im Mitteldeutschen Aufstand und 1923 Teilnehmerin am Hamburger Aufstand, musste sie sich im Moskauer Exil gegen stalinistische Verdachts-Strategien wehren. Die beiden Schicksals-Dokumentationen sorgen mit den in zwei aufrüttelnden Bänden wissenschaftlich nachgezeichneten Lebensgeschichten dafür, dass der Arbeiter-Widerstand in der Weimarer Republik nicht vergessen werden darf und auch nicht vergessen werden kann.

Eine Buchpräsentation mit Lesung, Film-, Ton- und Bildvorstellung sowie Auszügen aus dem Film: „Der Hamburger Aufstand“ von Klaus Wildenhain und Gisela Tuchtenhagen

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27. März 2026 18:00
27. März 2026 20:00
Berliner Straße120/121, 13187 Berlin

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Die Rosa-Luxemburg-Stiftung gehört zu den großen Trägern politischer Bildungsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland. Sie versteht sich als ein Teil der geistigen Grundströmung des demokratischen Sozialismus.