Mit den jährlichen Theodor Bergmann Lectures erinnert die RLS BW an den im Juni 2017 in Stuttgart verstorbenen Genossen und Wissenschaftler und Ehrenvorsitzenden Theodor Bergmann. Die Lectures richten sich an einen Personenkreis, der an vertiefter Diskussion linker Zukunftsperspektiven interessiert ist, insbesondere an all jene Menschen, die frisch in linken Zusammenhängen aktiv geworden sind, in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, aber auch in Parteistrukturen und Vorständen.
Die Theodor Bergmann Lectures 2026 wollen den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg gesellschaftlicher Strömungen erkunden, die mit Etiketten wie „Rechtspopulismus“, „demokratischer Faschismus“ oder „nationaler Autoritarismus“ bezeichnet werden. Der neue Konservatismus nähert sich der neuen Rechten an und erweist sich dabei als resistent gegen den moralisierenden Vorwurf des „Faschismus“. Schon 1967 hat Wolfgang Fritz Haug in seiner Analyse des „hilflosen Antifaschismus“ darauf hingewiesen, dass Autoritarismus und Rassismus nicht eine Art Unfall oder ein Einbruch der Unmenschlichkeit von außen sind, sondern Tendenzen zu- und überspitzen, die in der bürgerlichen Gesellschaft bereits wirken.
Parallel zur rechten Formierung vollzieht sich derzeit ein Rückbau sozialer, demokratischer, ökologischer und gesellschaftspolitischer Errungenschaften, der kaum auf Gegenwehr stößt. Jenseits der begrifflichen Diskussion stellt sich die Frage, woran die autoritäre Rechte anknüpfen kann: Warum tragen heute so viele Menschen diese Dynamiken mit? Und wie kann ein praktischer Antifaschismus aussehen, der jenseits von moralischen Werturteilen agiert?
Am 23. März 2026 wird Wolfgang Fritz Haug 90 Jahre alt. Wir wollen mit ihm und anderen Expert*innen aus Wissenschaft und Publizistik über den Vormarsch von rechts und vorhandene Gegenstrategien diskutieren. Nach einer Analyse von Formierung und Erfolg der radikalen Rechten entlang der Konzepte „Faschisierung“ und „autoritärer Kapitalismus“ diskutieren die Referent*innen wirkungsvolle antifaschistische Strategien.
Wolfgang Fritz Haug: Der Vortrag fragt, wie Individuen zu Trägern der autoritären Mobilisierung werden können. Dabei untersucht er die in der kapitalistischen Ökonomie angelegte Unterscheidung von Höher- und Minderwertigkeit, von Aufstieg/Auslese und nicht verwertbarer Asozialität. Wie trägt diese „Wertigkeit“ zur Rechtfertigung von Herrschaft, wie zur „Konstituierung und Mobilisierung von Menschen“ bei, die nicht nur Instrumente einer von Eliten betriebenen autoritären Wende sind, sondern ihre Subjekte?
Jan Rehmann: Ob es angemessen ist, die zweite Trump-Amtszeit als „Faschismus“ oder „Faschisierung“ zu verstehen, ist in der Literatur umstritten. Mit Bezug auf klassische Faschismustheorien soll versucht werden, Ähnlichkeiten und Unterschiede zu identifizieren. Wie funktioniert die Verbindung zwischen Big-Tech-Libertarismus und Rechts-Populismus und wo liegen die Widersprüche? Welche Rolle spielen die Philosophien des Akzelerationismus und des Posthumanismus? Warum wird die Macht zur Lüge und zum Hass als eine Befreiung erlebt?
Frank Deppe: Demokratische Politikgestaltung scheint in den USA wie in Europa zunehmend im Rückzug und droht durch neue Formen autoritärer Herrschaft ersetzt zu werden, die sich noch im Rahmen der Verfassung bewegen, diese aber zur Sicherung nationaler Wettbewerbsfähigkeit zunehmend repressiv ausdeuten. Welche Rolle spielt hierfür der Aufschwung der politischen Rechten in den Kapitalmetropolen des Westens?
Sebastian Friedrich: Die AfD bildet derzeit das organisatorische Zentrum einer rechtsradikalen Formierung. Der Vortrag geht der Frage nach, woher die gegenwärtige autoritäre Formierung rührt, welche Rolle die AfD darin einnimmt und vor welchen Herausforderungen die Gegenkräfte eines autoritären Kapitalismus stehen.
Mit einem Beitrag von Anna Mehlis: Wie kann einem hilflosen ein effektiver Antifaschismus entgegengesetzt werden, der über moralische Empörung hinausgeht und Ursachen des Rechtsrucks sowie kapitalistische Herrschaftsverhältnisse in den Blick nimmt? Der Vortrag diskutiert, wo sich darin Ansätze antifaschistischer Praxis finden und welche Schlüsse sich aus diesen Erfahrungen ziehen lassen.