Buchvorstellung und Diskussion mit der Autorin Anja Siegemund.
Angesichts der polarisierenden Debatten über Zionismus, Palästina und Israel, insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 weltweit und nicht zuletzt auch im deutschen Sprachraum geführt, kommt einem Buch über frühe jüdisch-arabische Verständigungsversuche nicht nur historische Bedeutung zu, sondern regt auch an, sich umfassender mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Historikerin Anja Siegemund widmet ihr umfangreiches Werk vor allem dem zentraleuropäischen Zionismus und dessen namhaftesten Protagonisten, u. a. Robert Weltsch, Martin Buber, Georg Landauer, Hugo Bergmann, Gerschom Scholem und Gerda Luft. Sie analysiert die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen, vor denen diese im Zeitraum zwischen Fin de Siècle und Gründung des Staates Israel 1948 standen. Ihre Visionen und ihr politisches Engagement, aber auch Kontroversen, Ambivalenzen und Unsicherheiten angesichts der Konflikteskalation in Palästina und der Katastrophe des europäischen Judentums werden umfassend dargestellt.
Anja Siegemund: „Zentraleuropäischer Zionismus und jüdisch-arabische Verständigung vor der Staatsgründung Israels“
Reihe: Israel-Studien. Kultur – Geschichte – Politik; Bd. 8
Wallstein Verlag, Göttingen 2025
Was bedeutete für die aus Zentraleuropa nach Palästina eingewanderten jüdischen Intellektuellen „jüdisch-arabische Verständigung“, welche Möglichkeiten sahen sie dafür und wie stellten sie sich künftige jüdisch-arabische Beziehungen vor? Welche Rolle spielten Organisationen wie Brit Schalom (Friedensbund) oder Ichud (Einheit)? Aufgezeigt werden Debatten, die bis heute nichts an Aktualität eingebüßt haben – über die politische Verfasstheit des Landes, Bevölkerungsmehrheiten, die Verteilung von Boden und Arbeit sowie die Frage, wem das Land „gehört“. Thematisiert werden auch die damaligen Selbstverständnisse der Menschen, ihre Suche nach Zugehörigkeit, ihr Ringen um eine Verbindung von Separatismus und Universalismus sowie ihre Zukunftsvisionen.
Das Buch folgt der Einsicht, dass es nicht DEN Zionismus gab und gibt, sondern viele unterschiedliche Zionismen entstanden. In der Diskussion mit der Autorin werden historische wie aktuelle Ansätze für jüdisch-arabische bzw. israelisch-palästinensische Verständigung hinterfragt und Hintergründe für deren Scheitern bzw. Erfordernisse für die Bewältigung aktueller wie künftiger Herausforderungen analysiert.
Es diskutieren:
- Dr. Anja Siegemund ist Historikerin; sie leitete von 2009 bis 2015 das Leo Baeck Institut Jerusalem und ist seit September 2015 Direktorin der Stiftung Neue Synagoge Berlin Centrum Judaicum.
- Moderation: Dr. Angelika Timm, Nahostwissenschaftlerin und von 2008 bis 2015 Leiterin des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Die Veranstaltung findet in Präsenz und digital statt. Die Zugangsdaten werden nach Anmeldung (s.o.) übermittelt.