Krieg, Krisen, geopolitische und gesellschaftliche Umbrüche bestimmen die Bilder öffentlicher und sozialer Medien. Sie gehen einher mit gesellschaftlicher, sozialer und politischer Polarisierung und erstarkenden rechten Parteien und Bewegungen und nicht nur in den USA und Lateinamerika mit der Zunahme rechter evangelikaler Kirchen und der wachsenden Bedeutung eines neuen Rechtskatholizismus wie in der Regierung Trumps.
In Europa müssen sich Kirchen und Glaubensgemeinschaften gegen autoritäre Regierungen oder den zur Macht drängenden rechten Parteien und Bewegungen zur Wehr setzen. So liegt in Deutschland selbst in den traditionell am stärksten katholisch geprägten Bundesländern wie dem Saarland oder Baden-Württemberg der Anteil der AfD in den Umfragen bei ca. 20%. Vor diesem Hintergrund positionieren sich die beiden christlichen Kirchen eindeutig und klar gegen die AfD, während auf dem politischen Feld die Brandmauer bröckelt. Zugleich wurde im parlamentarischen Raum die Forderung formuliert, die Kirche solle sich statt auf das politische Tagesgeschäft auf sinnstiftende Fragen und Seelsorge zurückziehen.
Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage nach der Rolle von Religionen und Kirchen in unserer Gesellschaft neu. Welche Bedeutung haben sie im Kampf gegen den Rechtsruck? Wer bestimmt, welchen Platz in der Gesellschaft sie einnehmen und normativ gestalten sollen, wenn zugleich die Zahl der Glaubenden abnimmt bzw. sich verändert? Wie kann und muss das humanistische Erbe in Zeiten von Krieg, Krise und gesellschaftlicher Transformation verteidigt werden? Und wie denken die Linken darüber – welchen Platz sieht die stark säkular geprägte Partei Die Linke für Religion und Kirche? Führt ihre Ambivalenz zwischen laizistischem Selbstverständnis, marxistischer Religionskritik und gelebter religiöser Pluralität zu einer gewissen „Religionsblindheit“ und was bedeutet heute eine zeitgemäße Religionskritik?
Diese Fragen wollen wir in unserem religionspolitischen Kolloquium diskutieren mit David Begrich (Miteinander e.V.), Charlotte Jacobs (Stipendiatin RLS), Hans Joas (Humboldt-Universität Berlin), Erwin Kress (HVD), Helge Meves (Die Linke), Michael Moser (BAG Kirche und Rechtsextremismus), Prof. Dr. Andreas Nachama (Abraham Geiger Kolleg, angefragt), Özlem Nas (Schura Hamburg), Petra Pau (Die Linke), Prof. Dr. Detlef Pollack (Uni Münster), Bodo Ramelow (Die Linke), Dr. Michael Ramminger (ITP), Dr. Patrick Schnabel (EKD-Berlin), Dr. Carlotta Voß (Forschungsinstitut für Philosophie Hannover).
Wir freuen uns über Ihr Kommen und bitten Sie um Anmeldung (s.o.).
Programm
Freitag, 24. April 2026
14 bis 16 Uhr, Panel 1: Religionskritik versus Religionsblindheit der Linken
- Interview mit Petra Pau, Die Linke, zur Religion
- Helge Meves: Das Verhältnis der Linkspartei zur Religion entlang ihrer Programmdebatten
- Michael Ramminger, Institut für Theologie und Politik
- Moderation: Conny Hildebrandt, Rosa-Luxemburg-Stiftung
16:30 bis 18:30 Uhr, Panel 2: Zur gesellschaftspolitischen Rolle der Religionen in Deutschland
- Prof. Dr. Detlef Pollack, Universität Münster
- Dr. Patrick R. Schnabel, EKD-Berlin
- Claudia Gawrich, Leiterin der Arbeitsgruppe Kirche und Gesellschaft des ZdK
- David Begrich, Miteinander e. V. Magdeburg
- Moderation: Dr. Viola Schubert-Lehnhardt, Gesprächskreis Weltanschaulicher Dialog der Rosa-Luxemburg-Stiftung
19 Uhr bis 20:30 Uhr: Gemeinsames Abendessen
Samstag, 25. April 2026
10:15 bis 12 Uhr, Panel 3: Religion als Machtressource der Rechten und Strategien gegen ihre Vereinnahmung
- Dr. Carlotta Voß: Zur Religion als Machtressource der Rechten in den USA
- Charlotte Jacobs: Vernetzungen des Rechtskatholizismus im kirchlichen Raum und seine Auswirkungen
- Michael Moser, BAG Kirche und Rechtsextremismus
- Moderation: Jürgen Klute, Gesprächskreis Weltanschaulicher Dialog der Rosa-Luxemburg-Stiftung
12:15 bis 14:15 Uhr, Panel 4: Das humanistische Erbe gemeinsam verteidigen, gegen wen?
- Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Joas, Sozialphilosoph, Humboldt-Universität zu Berlin
- Prof. Dr. Andreas Nachama, Leiter Abraham Geiger Kolleg (angefragt)
- Özlem Nas, Stellv. Sprecherin der Schura aus Hamburg
- Bodo Ramelow, Die Linke
- Moderation: Conny Hildebrandt, Rosa-Luxemburg-Stiftung