Die Kirchen in Deutschland ringen seit vielen Jahren mit drastisch sinkenden Mitgliederzahlen. Die damit verbundenen Auswirkungen auf das Personal und Angebot in der Fläche sind nicht zu übersehen. Viele Kirchgemeinden wurden in den zurückliegenden Jahren zusammengelegt. Die Gemeindegebiete wachsen zu immer größeren Einheiten. Bundesweit sind noch ca. 45 % der Gesamtbevölkerung (Stand 31.12.2024, Quelle: Mitgliederstatistik der EKD) Kirchenmitglieder in einer der Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland oder der Römisch-katholischen Kirche. Seit dem Jahr 2022 sind die Kirchenmitgliederzahlen in Deutschland jährlich um ca. 3 % gesunken (Quelle: Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland, fowid, siehe https://fowid.de/meldung/kirchenmitglieder ende-2025-43-8-prozent, letzter Zugriff 01.04.2026). In der EVLKS sind die Zahlen, vor allem auch historisch bedingt mit lediglich ca. 15,5 % Anteil an der Bevölkerung, noch drastischer (Stand 31.12.2024, Quelle: Mitgliederstatistik der EKD).
Im Spannungsfeld von selbstempfundener Verantwortung für den einzelnen Menschen und das gesellschaftliche Gesamtgefüge auf der einen und schwindender gesamtgesellschaftlicher Bedeutung auf der anderen Seite, ringt Kirche um ihre Position zu den Grundsatzfragen des Glaubens und Lebens in unserem Land. Sie sucht neue Wege und Formen, um auf dem „Markt der Möglichkeiten“ attraktiv zu sein und den Menschen Angebote zu machen.
Wie sehen aktuelle Versuche der Kirche aus, um auf die veränderten Bedingungen zu reagieren bzw. damit umzugehen und gerade unter diesen Voraussetzungen den Menschen die Frohe Botschaft Jesu Christi zu verkündigen? Die Veranstaltung wird konkrete Einblicke in die Praxis geben. Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis werden von Ihrer Arbeit und den damit verbunden Herausforderungen, Chancen und Erfolgen berichten. Dr. Felix Eiffler (Leiter der Forschungsstelle „Missionale Kirchen- und Gemeindeentwicklung am Forschungszentrum „Christliches Empowerment in der Säkularität“) wird in seinem Impulsvortrag über die aktuelle Situation der Kirchgemeinden sowie deren Entwicklung berichten und Wege in die Zukunft der Kirche aufzeigen. In einer Gesprächsrunde mit Lars Rohwer (Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Sachsen), Dr. Felix Eiffler und den Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis der Gemeindearbeit soll es um die aktuelle Situation der Kirche und ihre Zukunft gehen. Relevante Fragen zu den aktuellen Herausforderungen und möglichen sowie nötigen Veränderungen für die Zukunft der Kirchgemeinden sollen thematisiert werden.
Welche konkreten Herausforderungen prägen die Arbeit vor Ort in den Kirchgemeinden in Stadt und Land? Inwieweit ist Kirche als Institution noch richtungsweisend für den Einzelnen bzw. inwieweit beeinflussen christliche Werte das individuelle Handeln der Menschen im privaten Kontext bis hinein in gesellschaftliche Strukturen? Religiös-weltanschauliche Überzeugungen wurden mehr und mehr zur Privatsache erklärt. Welche Herausforderungen sind mit den fortschreitenden Veränderungen verbunden und welche Chancen ergeben sich möglicherweise auch daraus für die kirchliche Praxis in den Kirchgemeinden?
Sollte sich Kirche stärker auf ihre Kernaufgaben (Verkündigung des Evangeliums, Dienst am Nächsten, Gottesdienst und Gemeinschaft) konzentrieren oder sich ganz selbstverständlich auch darüber hinaus zu politischen Themen äußern und in die Gesellschaft hineinwirken wollen? Diese und weitere Fragen sollen in einer Gesprächsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Gemeindepraxis, der Wissenschaft und Politik besprochen werden.