Wir wollen, ja wir müssen alles tun, um Konflikte zu vermeiden oder wenigstens zu begrenzen. Karl Popper, Auf der Suche nach der besseren Welt, München ‚1994.
Demokratie ist eine Herrschaftsform. Sie ist zuallererst ein Versprechen auf Mitbestimmung, Freiheit und Zusammenhalt. Doch dieses Versprechen erfüllt sich nicht von selbst. Es lebt von Menschen, die sich einbringen. Aber: immer weniger Menschen vertrauen der pluralistischen Konfliktregelung in freiheitlichen Gesellschaften und glauben an einfache Lösungen wie Abschottung, Nationalstaat und „Volkswillen“. Ist unsere Gesellschaft wirklich so zerrissen? Hat sich „die Demokratie“ überlebt? Oder ist nicht gerade die Krise der Demokratie notwendig, um das Unvollkommene einer offenen Gesellschaft ständig zu verbessern? Wer Demokratie stärken will, muss sie erleben, erklären und ermöglichen – jeden Tag.
Mit der Pauschalthese von der Kulturalisierung lassen sich Konflikte … asymmetrisieren: Auf der einen Seite steht dann eine Gruppe mit nicht-anerkennungswürdigen (‹partikularen›) Werten, die damit sogar ihren eigenen, potenziell anerkennungswürdigen Interessen schadet (‹falsches Bewusstsein›), auf der anderen Seite findet sich eine Gruppe mit anerkennungswürdigen (‹universalen›) Werten – und anscheinend ganz ohne eigene Interessen. Eine solche Gegenüberstellung folgt dem generellen Muster unserer Debatten, einerseits Polarisierung zu konstatieren, andererseits aber immer nur über einen – den anderen, den falschen – Pol sprechen zu wollen. Philip Manow, Spaltungslinien, München 2026, 93