DIE MÖLLNER BRIEFE Erinnern als politische Praxis

1992 zerstörte der rassistische Brandanschlag von Mölln das Leben der Familie Arslan. Der damals 7-jährige İbrahim Arslan überlebte, verlor aber seine Schwester, seine Cousine und seine Großmutter. Nach dem Anschlag schickten Menschen aus ganz Deutschland Briefe, um ihre Anteilnahme und Solidarität auszudrücken. Doch die Schreiben erreichten die Familien nie – sie blieben bei der Stadt Mölln liegen. Erst drei Jahrzehnte später stieß eine Studentin im Stadtarchiv zufällig auf sie.

Der hochaktuelle Dokumentarfilm der vielfach ausgezeichneten Regisseurin Martina Priessner erzählt die Geschichten der Opfer und Überlebenden der rassistischen Brandanschläge von 1992 – und von der großen Solidarität, die lange im Verborgenen blieb. Er kam am 25. September 2025 in die deutschen Kinos, wurde seither viel gesehen und diskutiert, auch die Heinrich-Böll-Stiftung zeigte ihn in vielen Städten.

Der Film hat eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Stadt Mölln ausgelöst. Die Stellungnahme des Bürgermeisters und Priessners Erwiderung stehen sich seither gegenüber – und machen sichtbar, was der Film verhandelt: Wer definiert, was erinnert wird? Und wessen Perspektive zählt?

Im Anschluss an die Filmvorführung diskutieren Martina Priessner, Bengü Kocatürk-Schuster und Kim Dreßel über die Frage, die der Film aufwirft: Wessen Erinnerung zählt, wird aufbewahrt oder verschwiegen? Das Gespräch fragt nach der Rolle von Archiven im Umgang mit rassistischem Terror, nach Erinnerungspolitik und danach, wem das Erinnern gehört. Fragt, wie Archive diese Rollen annehmen und diesen verschiedenen Zuschreibungen gerecht werden.

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Event Detail

13. Mai 2026 19:00
13. Mai 2026 22:00
Schumannstr. 8, 10117 Berlin

Organizers

Heinrich-Böll-Stiftung
info@boell.de
Die Heinrich-Böll-Stiftung organisiert Veranstaltungen zu Politik, Demokratie, Umwelt, Europa und internationaler Zusammenarbeit.