Am Vormittag des 7. November 2024 hatte sich der als Festredner eingeladene Schriftsteller Marko Martin den Unmut und Zorn des Bundespräsidenten Steinmeier eingehandelt, weil er sagte, was Sache ist. Ihm saß mit dem Bundespräsidenten jemand gegenüber, der sich als „langjähriger Schönredner, Beschwichtiger und damit indirekt auch Ermutiger der russischen Aggressionspolitik“ seit 2014 ausgezeichnet hatte. Die politischen Entscheidungsträger*innen in der Bundesrepublik hatten in weitgehendem Einvernehmen mit großen Teilen der Bevölkerung den Freiheitskampf des ukrainischen Volkes gegen den Imperialisten Putin zugunsten preiswerter Energielieferungen missachtet. Später, als die russischen Panzer gen Kyjiew zogen, mutierten diese politischen Entscheidungen zu Irrtümern oder Wissenslücken, gegen die nie jemand gefeit wäre. Nur – das ist ein Thema des Vortrags von Marko Martin –, Freiheitskämpfe zu ignorieren, kleinzureden oder sie als Sprengsätze politischer Ordnungssysteme zu diskreditieren, hat eine lange Tradition. Ein Befund, der nach den deutschen Erfahrungen mit der friedlichen Revolution von 1989 befremdlich erscheint. Doch, so Martins Diagnose: Auch im fünfunddreißigsten Jahr nach der friedlichen Revolution in der DDR würden die Mentalitätsmuster in Ost und West mit dem konkreten Wert der Freiheit „fremdeln“. Marko Martins neues Buch „Freiheitsaufgaben“ handelt deshalb von innenpolitischen Debatten um Demokratie und Freiheit gegen Autoritarismus und Fremdbestimmung, Debatten, die er in historische Erfahrungen bettet und auf internationale Ebene weitet.
In Vortrag und im Gespräch werden wir uns den Fragen um den Mut und den Willen zur Freiheit widmen.
Moderation: Peter Schyga (ehem. Referent Netzwerk Erinnerung + Zukunft)
Gast: Marko Martin (Schriftsteller und Publizist)