Kriege und geopolitische Spannungen hinterlassen Spuren, nicht nur in der Außenpolitik, sondern auch mitten in der Gesellschaft: in Geschlechterbildern, Körpernormen und der Frage, was es bedeutet, ein Mann zu sein.
Feministische Forschung zeigt: Militarisierung und patriarchale Geschlechterordnungen gehen häufig Hand in Hand. „Stärke“, „Opferbereitschaft“, nationale Loyalität – diese Attribute werden in Krisenzeiten besonders lautstark an Männer adressiert. Gleichzeitig erleben wir aktuell ein Erstarken reaktionärer Geschlechterbilder, von Tradwife-Trends bis zu antifeministischen Online-Bewegungen.
Was in Deutschland oft als schleichender Wandel wahrgenommen wird, zeigt sich anderswo in zugespitzter Form und macht dadurch Mechanismen erkennbar, die hierzulande leichter übersehen werden.
Der Blick nach Asien ist dabei kein Umweg. Er ist eine Abkürzung. Hier, wo Zusammenhänge zwischen Militarisierung, staatlicher Macht und Männlichkeitsnormen besonders offen zutage treten, lassen sie sich auch schärfer analysieren. In Südkorea prägt der obligatorische Militärdienst männliche Lebensläufe und befeuert zugleich antifeministische Mobilisierungen. In Myanmar wird am Beispiel der People’s Defense Force deutlich, wie LGBTQI+-Personen hier eigene Vorstellungen von Männlichkeit entwickeln und prägen.
Deutschland ist kein neutraler Beobachter: Als viertgrößter Rüstungsexporteur der Welt und inmitten wachsender Debatten über Aufrüstung und Wehrpflicht stellen sich auch hier drängende Fragen nach den Geschlechterbildern, die diese Debatten prägen.
Auf der gemeinsamen Veranstaltung des Asienreferats und des Gunda-Werner-Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung fragen wir: Wie instrumentalisieren Staaten Männlichkeitsideale? Welche Alternativen sind denkbar? Und was können feministische Bewegungen in Deutschland und Asien voneinander lernen?
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion (gegen 19.50 Uhr) eröffnen wir die Ausstellung MACHT https://macht.photo/news/. Die fotografische Arbeit von Birte Zellentin https://birtezellentin.de/ und Patrik Budenz https://grauwerk.de/ visualisiert politische Macht. Porträts politischer Entscheidungsträger*innen aus Asien überlagern sich und machen Strukturen, historische Kontinuität und die Dominanz männlicher Führung sichtbar. So wird auch die Unsichtbarkeit von weiblicher Machtausübung deutlich. Die Künstler*innen sind anwesend und führen durch ihre Ausstellung.