DER ZEITSTRAHL IST ZERBROCHEN …
ADAM SCHARRER (1889 – 1948) und Genossen: Linkskommunistische Kritik am „Zeitstrahl der gesetzmäßigen Entwicklung“ und am Kommandosystem von Bolschewiki und KPD
– Irrweg oder Inspiration für Nachdenken über Demokratie, Opposition und Revolution in unübersichtlicher Zeit?
Vortrag und Gespräch mit Dr. Rhena Stürmer (Universität Leipzig, Förderpreisträgerin der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg 2025) und Musik von Paul Geigerzähler (Violine)
Dr. RHENA STÜRMER, geb. 1989, ist Mitarbeiterin an der Universität Leipzig und lehrt dort Geschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts. Sie hat Geschichte, Kulturwissenschaften und Kulturgeschichte studiert und wurde 2024 an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) promoviert. 2018 bis 2022 war sie Stipendiatin der Rosa Luxemburg Stiftung. Aktuell hat sie mit der Arbeit an ihrer Habilitation zur Gesellschaftsgeschichte der Subjektivität begonnen. Für ihre Dissertation „Weimarer Linkskommunisten zwischen Partei und Bewegung. Eine kultur-geschichtliche Kollektivbiografie“ erhielt Rhena Stürmer 2025 neben dem Förderpreis der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg auch den Claus-Dieter Krohn Preis für Exilforschung. Der Wallstein-Verlag brachte ihre Dissertation unter dem Titel „Jenseits des Bolschewismus“ heraus. Das gedruckte Buch hat 416 Seiten und kostet 49,00 Euro. Kostenlos ist es im Netz verfügbar
(https://www.wallstein-open-library.de/9783835359406-jenseits-des-bolschewismus.html).
In einem Interview mit Frauke Adesiyander von der Universität Viadrina Frankfurt (Oder) sagte Rhena Stürmer zu ihrem Buch und die Auszeichnungen: „Zu Beginn meiner Arbeit an diesem Thema war ich mir etwas unsicher, ob es nicht zu abseitig anmuten würde. Daher empfinde ich die beiden Auszeichnungen als sehr bestärkend für das, was ich die letzten Jahre erforscht habe.“
In ihrer Arbeit geht es vor allem um die nur kurzzeitig einflussreiche Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD), die sich von der KPD abspaltete und auf kritische Distanz zur Politik der Bolschewiki ging. Es handelt sich jedoch um keine Parteiengeschichte im üblichen Sinne, sondern um eine Annäherung an ein schwieriges Thema anhand von biografischen Skizzen. Behandelt werden der Literaturwissenschaftler und Journalist Karl Schröder (1884-1950), der Publizist Alexander Schwab (1887-1943) und der Schriftsteller Adam Scharrer (1889-1948). Von besonderem Interesse dürfte Adam Scharrer sein. Denn es sind wahrscheinlich in Deutschland lediglich zwei Straßen nach Scharrer benannt, eine davon bekanntlich in Senftenberg. Leider wissen jedoch nur noch wenige in der Stadt, wer Adam Scharrer war. Außerdem spiegelt sich in seiner Biografie so ziemlich die ganze Widersprüchlichkeit der kommunistischen Bewegung des 20. Jahrhunderts wider – antifaschistischer Kampf, Flucht in die Sowjetunion, Kompromisse mit dem Stalinregime, um dem „Großen Terror“ zu entgehen, und schließlich als Parteiloser nach 1945 Mitbegründer des Kulturbundes und in der politischen Bildungsarbeit engagiert.
Die Rede des Kuratoriumsvorsitzenden Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann zur Preisverleihung und die Laudatio von Prof. Dr. Mario Keßler sind auf der Webseite der brandenburgischen Rosa-Luxemburg-Stiftung veröffentlicht. Dort findet sich auch der Link zu einer interessanten Rezension ihres Buches von Paul Geigerzähler (https://brandenburg.rosalux.de/news/id/54206/jenseits-des-bolschewismus).
PAUL GEIGERZÄHLER sagt über sich: „Ganz früher, als in Berlin noch diese seltsame Betonwand herumstand, wurde in Budyšin ein Kind geboren, das früh die musikpädagogischen Errungenschaften der Deutschen Demokratischen Republik genießen und Geige spielen wollte, durfte, sollte, musste.“ Jetzt singt er rebellische Texte in deutsch und sorbisch und spielt dazu Geige, also eine Art Punk ohne Schlagzeug, Gitarre und Bass.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Um Spenden wird gebeten.