Zur Kritik der empirischen Bildungsforschung

Was ist Bildung noch wert, wenn sie sich vor allem daran messen lassen muss, was messbar ist?

Die Erziehungswissenschaftlerin Rita Casale (Bergische Universität Wuppertal) nimmt in ihrem Vortrag die gegenwärtige Dominanz der empirischen Bildungsforschung kritisch in den Blick. In einer Bildungslandschaft, die zunehmend von Evaluationen, Rankings, Kompetenzrastern und Evidenzforderungen geprägt ist, scheint vor allem das zu zählen, was sich zählen lässt. Doch was bedeutet das für ein Verständnis von Bildung, das über Output, Vergleichbarkeit und Steuerungswissen hinausgeht?

Casale argumentiert, dass die Fixierung auf Daten und Messbarkeit nicht nur Methoden privilegiert, sondern auch den Gegenstand selbst verändert: Bildung droht auf das Reduzierbare verengt zu werden. Fragen nach ihrem Sinn, ihren normativen Grundlagen und ihrem gesellschaftlichen Gehalt geraten dabei ins Hintertreffen – oder verschwinden ganz aus dem Diskurs.

Wie konnte die empirische Bildungsforschung zum Mainstream werden – nicht zuletzt auch in der Lehrkräftebildung? Welche wissenschaftspolitischen, institutionellen und epistemischen Verschiebungen haben dazu geführt, dass angehende Lehrerinnen und Lehrer heute vor allem lernen, Bildung zu messen, zu evaluieren und zu standardisieren? Und welche alternativen Perspektiven wurden dabei an den Rand gedrängt?

Der Vortrag stellt diese Entwicklung zur Diskussion und fragt bewusst zugespitzt: Produziert die empirische Bildungsforschung mehr Klarheit – oder verdeckt sie zentrale Probleme? Und was geht verloren, wenn nur noch als relevant gilt, was sich quantifizieren und evaluieren lässt?

Prof. Dr. Rita Casale studierte Philosophie und Geschichte in Bari, Paris und Freiburg im Breisgau und lehrt aktuell an der Uni Wuppertal im Bereich Allgemeine Erziehungswissenschaft/Theorie der Bildung. Forschungsschwerpunkte ihrer Arbeit sind Bildungs- und Erziehungsphilosophie, pädagogische Historiographie, feministische Theorie sowie modernes politisches und pädagogisches Denken. Zudem veröffentlichte sie zahlreiche Arbeiten zur zeitgenössischen Philosophie und arbeitet derzeit an einer Geschichte des Bildungsbegriffs nach 1945.

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22. Juni 2026 18:00
22. Juni 2026 19:30
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Die Rosa-Luxemburg-Stiftung gehört zu den großen Trägern politischer Bildungsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland. Sie versteht sich als ein Teil der geistigen Grundströmung des demokratischen Sozialismus.