Vortrag und Gespräch mit Univ.-Prof. Dr.phil. Florian Bieber.
Seit Beginn des russischen Eroberungskrieges in der Ukraine hat sich der Wettbewerb um Einfluss auf dem Balkan verschärft. Die EU, Russland, China und die Türkei engagieren sich politisch, wirtschaftlich und ideologisch in einer Region, die für die Stabilität Europas eine kritische Rolle spielt.
Nach den Zerfallskriegen der 1990er Jahren hatte sich der Raum zuerst für die EU als Ordnungsmacht geöffnet, die ein ambitioniertes Integrationsprogramm ankündigte. Es wurde nur zu einem kleinen Teil umgesetzt. Seit etwa 15 Jahren bemühen sich mit Russland, China und der Türkei konkurrierende Akteure um Macht und Einfluss. Ihre Motive und Mittel sind unterschiedlich. Russland geht es in der Region um die geopolitische Schwächung des Westens. China versucht, sich durch strategische Investitionen als wirtschaftliche Alternative zu Europa zu etablieren. Die Türkei betrachtet den Balkan als ein kulturell-religiöses Einflussgebiet und zudem als Absatzmarkt.
Wie sieht die strategische Antwort der Europäischen Union angesichts dieser Herausforderungen aus?
Florian Bieber ist Professor für Südosteuropäische Geschichte und Politik und leitet das Zentrum für Südosteuropastudien. Er koordiniert die Balkans in Europe Policy Advisory Group (BiEPAG), einen virtuellen Think Tank, der sich mit der EU-Integration des westlichen Balkans beschäftigt. Er war Gastprofessor und Fellow an der Central European University, New York University, Cornell University, sowie den Universitäten Belgrad, Sarajevo und Bologna. Sein Forschungsschwerpunkt ist Nationalismus, Minderheiten, Demokratisierung und Europäische Integration mit Schwerpunkt auf dem westlichen Balkan. Neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat er seine Analysen u.a. in der Neuen Zürcher Zeitung, der Presse, New York Times, Foreign Affairs, und Foreign Policy und der Kleinen Zeitung publiziert.