Vor 85 Jahren, am 22. Juni 1941, begann mit dem Überfall Hitler-Deutschlands («Unternehmen Barbarossa») der Krieg gegen die Sowjetunion. Der «Blitzkrieg» sollte Hitlers strategischen Hauptfeind, die Sowjetunion («jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung») unterwerfen und bis zum Ural Deutschland untertan machen. Das scheiterte schon im Dezember 1941 vor Moskau.
Als er im Mai 1945 endete, hatte die Sowjetunion 27 Millionen Tote aus allen Teilrepubliken zu beklagen, davon 14 Millionen Zivilisten. Auf deutscher Seite starben knapp vier Millionen Wehrmachtssoldaten. Allein die Blockade Leningrads kostete zwei Millionen Menschen das Leben. Drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene starben in deutschen Lagern an Hunger und Ausbeutung.
In der offiziellen Gedenkkultur der Bundesrepublik Deutschland führte und führt die Erinnerung an den 22. Juni 1941 im Vergleich zu anderen Gedenktagen ein Schattendasein. Seit dem Ende der Entspannung mit Russland passt die Erinnerung erst recht nicht in die «Zeitenwende».
In seinem Vortrag befasst sich der Referent Reinhard Lauterbach zunächst mit der systematischen ideologischen und politischen Vorbereitung des deutschen Feldzuges. Weitere Themen sind die unterschiedlichen identitätsstiftenden Gedenkkulturen in den verschiedenen Ländern der Region, die aktuellen Kontroversen über Instrumentalisierung der Geschichte oder «Geschichtsrevisionismus», über den Anteil der Sowjetunion am Sieg über den Hitler-Faschismus und die Frage nach Kontinuitäten und Brüchen Deutschlands im Verhältnis zu Russland.