Im Rahmen der Ausstellung »Walter Schels . 16° Fische . Retrospektive« laden wir gemeinsam mit C/O Berlin zu einer Diskussion über intergeschlechtliche und trans Perspektiven ein. Schels setzt sich in seinem Werk mit Übergängen in der menschlichen Existenz auseinander. Die in der Ausstellung gezeigte Serie TRANS* (2013–2025) umfasst Porträts von rund 30 Jugendlichen, die der Fotograf während ihrer Transition mit der Kamera begleitet hat.
Teilnehmende der Veranstaltung erhalten ein ermäßigtes Ticket (8 Euro) für die Ausstellung »Walter Schels . 16° Fische . Retrospektive« (20. Jun.–Sep. 2026).«
In Berlin wie in vielen Teilen Deutschlands sind die Rechte queerer Menschen – insbesondere von trans- und intergeschlechtlichen Personen – zunehmend Angriffen ausgesetzt. Politische Bildungsarbeit steht hier vor der Aufgabe, nicht nur über rechtliche Grundlagen und Diskriminierungsmechanismen aufzuklären, sondern auch junge Menschen zu empowern, sich selbstbestimmt in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft zu positionieren. Die aktuelle politische Debatte zeigt deutlich: Fortschritte wie das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) werden sowohl juristisch als auch gesellschaftlich angegriffen, während intergeschlechtliche Menschen oft ganz aus dem Fokus geraten. Ihre Perspektive verdeutlicht die strukturelle Gewalt, der viele von klein auf ausgesetzt sind, etwa durch medizinische Entscheidungen ohne informierte Einwilligung.
Aus der wissenschaftlichen Sicht lassen sich die Konsequenzen solcher Angriffe klar ablesen: Studien belegen, dass Stigmatisierung und Unsicherheit nicht nur die psychische Gesundheit beeinträchtigen, sondern auch die gesellschaftliche Teilhabe verhindern. Gerade Jugendliche, die sich in ihrer geschlechtlichen Identität orientieren, sind durch die Kombination aus politischen Debatten, restriktiven Regelungen und Kürzungen im Bereich Jugend- und Sozialberatung besonders verletzlich. In Berlin führen Sparmaßnahmen im Landeshaushalt dazu, dass Beratungsangebote für trans- und intergeschlechtliche junge Menschen eingeschränkt werden – ein direkter Angriff auf deren Rechte auf Schutz, Bildung und Teilhabe.
Aktivistische Stimmen auf Berliner Podien machen deutlich, dass der öffentliche Druck und die mediale Polarisierung nicht nur symbolisch wirken. Sie schaffen reale Barrieren: Verzögerungen bei rechtlicher Anerkennung, erschwerte Zugänge zu medizinischer Versorgung und ein Klima von Diskriminierung und Gewalt. Intergeschlechtliche Menschen erfahren darüber hinaus spezifische Formen der Entrechtung, etwa in medizinischen, rechtlichen und sozialen Kontexten, die bisher wenig sichtbar sind. Politische Bildung muss diese Perspektiven explizit aufgreifen, um zu verhindern, dass ihre Rechte weiter marginalisiert werden.
Vor diesem Hintergrund wird es zu einem zentralen Instrument, um Handlungskompetenzen zu fördern, Diskurse zu versachlichen und demokratische Teilhabe zu sichern. Ein Podium, das Wissenschaft, Aktivismus und Beratung zusammenführt, zeigt nicht nur die Bedrohungslage auf, sondern eröffnet auch Wege, wie gesellschaftliche Solidarität, rechtliche Verbesserungen und niedrigschwellige Unterstützungsangebote für junge Menschen trotz knapper Ressourcen gesichert werden können. Das Podium möchte dazu beitragen, Angriffe auf die Rechte queerer Menschen zu erkennen, zu analysieren und ihnen aktiv entgegenzuwirken.
Auf dem Podium kommen miteinander ins Gespräch:
- Mari Günther, politisch aktive Person und Beraterin bei Triq e.V.
- Louka Maju Götzke, Soziolog_in und Koordination des Forschungsbereichs »Transition und Transgression: Fluide Geschlechterbewegungen« an der Uni Koblenz
- Benyamin L. Jakob, Systemischer Familientherapeut und Systemischer Supervisor
- Luan Pertl, Co-Geschäftsführer* des Schwulen Museums, intersex Aktivist:in in Deutschland und Österreich sowie systemischer Organisationsberater*
Es moderiert Kaey Kiel, Sängerin, Performerin, Aktivistin