Radka Denemarková zählt zu den wichtigsten tschechischen Autorinnen der Gegenwart. In ihrem neuen großen Roman „Schokoladenblut“ erzählt sie das 19. Jahrhundert neu und macht sichtbar, wie Macht, Kapital und patriarchale Strukturen bis heute unser Denken prägen.
Mitte des 19. Jahrhunderts schreibt die tschechische Schriftstellerin Božena Němcová ein patriotisches Märchen, dessen Botschaft sie selbst nicht überzeugt. Zur gleichen Zeit lebt George Sand in Frankreich ein radikal anderes Modell weiblicher Autorinnenschaft – selbstbestimmt und unangepasst. Während Europa um nationale Identitäten ringt, gründet auf der anderen Seite des Atlantiks John D. Rockefeller sein Imperium auf einem dickflüssig-braunen Rohstoff und legt damit den Grundstein für eine neue Ära globaler Macht.
Mit „Schokoladenblut“ verwebt Radka Denemarková die Schicksale historischer Figuren zu einem ebenso vielschichtigen wie hochaktuellen Panorama über Gewalt, Ausbeutung und die Mechanismen gesellschaftlicher Herrschaft. Der Roman schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und stellt die Frage, wie tief die Logiken von Macht und Ungleichheit in unseren Gesellschaften verankert sind.
Im Rahmen der Reihe „Books That Matter“ spricht Radka Denemarková über ihren neuen Roman, historische Erinnerung und die politischen Kräfte, die unsere Gegenwart bis heute prägen.
Begrüßung: Layla Al-Zubaidi, Leiterin Internationale Themenreferate, Heinrich-Böll-Stiftung
Mit:
- Radka Denemarková, Autorin, Dramatikerin, Drehbuchautorin, Essayistin und Übersetzerin
Moderation: Eva van de Rakt, Referatsleitung Europäische Union und Nordamerika, Heinrich-Böll-Stiftung
Link zum Buch: Radka Denemarková: Schokoladenblut