Der Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Nächstes Jahr in“ zu jüdischem Leben in Deutschland widmet sich der bislang selten beachteten Geschichte jüdischer Frauen, die im Widerstand gegen das NS‑Regime aktiv waren. Schon Emanuel Ringelblum hatte gefordert, dass diese „heroischen Mädchen“ eine eigene literarische Stimme verdienen, trotzdem sind ihre Leistungen nach Kriegsende rasch in Vergessenheit geraten – ein Umstand, den auch der Comic von Ka Schmitz im Rahmen der Ausstellung thematisiert.
Im Zentrum des Vortrags stehen einerseits die konkreten Aufgaben, die Jüdinnen übernahmen. Da Frauen seltener kontrolliert wurden, dienten sie als Kurierinnen und transportierten unter Lebensgefahr Nachrichten, Waffen und Sprengstoff. Gleichzeitig fungierten sie als Verbindungspersonen zwischen den unterschiedlichen Widerstandsgruppen, erkundeten Anschlagsziele, organisierten die Lebensmittelversorgung und stellten die logistische Basis für Aktionen sicher.
Andererseits will der Vortrag zeigen, dass die Widerstandskämpferinnen nach dem Krieg weder Auszeichnungen noch die offizielle Anerkennung erhielten, die männlichen Kämpfern selbstverständlich zugestanden. Anhand von Fallbeispielen wie Fanny Azenstarck, Rosine Grynvogel, Paulette Rappaport‑Gruda und Catherine Varlin wird deutlich, dass Frauen trotz seltener Führungspositionen und kaum bewaffneter Einsätze unverzichtbare Akteurinnen waren.
Der Vortrag kritisiert die Geschichtsschreibung der Nachkriegszeit, die Frauen häufig aus den offiziellen und inoffiziellen Narrativen ausschließt, und fordert eine Neubewertung ihrer Rolle im kollektiven Gedächtnis.