Jüdische Identitäten und Antisemitismus im Punk

Punk – kaum eine Pop-Subkultur steht so sehr für Selbstermächtigung und das subversive Spiel mit Identitätskonstruktionen. Punk wurde seit seinen Anfängen Mitte der 1970er stark von jüdischen Protagonist:innen geprägt. Auch heute bietet seine dissidente Ästhetik Jüd:innen eine attraktive Plattform, um sich den Zumutungen der Mehrheitsgesellschaft zu widersetzen. Trotzdem ist Punk leider keineswegs immun gegen jene Formen des Antisemitismus, die auch in anderen popkulturellen und politisch linken Szenen grassieren.
Der aktuelle Sammelband „Jüdische Identitäten und Antisemitismus im Punk“ (Verbrecher Verlag 2026) beleuchtet das Spannungsfeld von Punk, Jüdischkeit und Antisemitismus aus (auto-)biografischen, sozialwissenschaftlichen und aktivistischen Perspektiven. Die Sozialwissenschaftler:innen, Publizist:innen und Punks Tina Sanders und Monty Ott sind mit Beiträgen in dem Band vertreten und stellen im Gespräch mit Georg Tiroch (Artists Against Antisemitism Augsburg) ihre Zugänge vor. Tina Sanders ist Politik- und Sozialwissenschaftlerin; ihre Gesellschaftstheorie ist von Marxismus, Psychoanalyse und Kritischer Theorie geprägt. Sie war für den Aufbau der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Sachsen verantwortlich und beim Zentralrat der Juden in Deutschland tätig. Ihre Kritik an Identitätspolitik, Antisemitismus, Misogynie oder Islamismus sind in der Versorgerin, MEDAON, dem Sammelband Gesichter des Politischen Islam (Edition Tiamat) u.v.m. erschienen. Der Politik- und Religionswissenschaftler Monty Ott ist ein intervenierender Denker. In seinen Arbeiten setzt er sich mit Antisemitismus, Erinnerungskultur, Intersektionalität und Queerness auseinander und bringt neue Perspektiven in gesellschaftliche Debatten ein. Mit seinem viel beachteten Essay „Inzwischen ist es kalt geworden“, veröffentlicht in DIE ZEIT Anfang 2023, lieferte er eine prägnante Analyse des Antisemitismus in linken Bewegungen – und nahm damit Entwicklungen vorweg, die nach dem 7. Oktober 2023 verstärkt in den Fokus rückten. Seit über einem Jahrzehnt engagiert er sich aktiv in der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit. Derzeit arbeitet er an seiner Dissertation zur „Queeren jüdischen Theologie“.

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Event Detail

14. Oktober 2026 19:00
14. Oktober 2026 20:30
Provinostraße 35, 86153 Augsburg

Organizers

Amadeu Antonio Stiftung
info@amadeu-antonio-stiftung.de
Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich bundesweit für eine demokratische Zivilgesellschaft ein, die sich aktiv gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Sie fördert Initiativen, die sich für eine vielfältige und solidarische Gesellschaft engagieren.