Wie kann eine solidarische Politik der Arbeit aussehen?
«Die da oben, wir hier unten» – in dieser griffigen Formel kommt das Grundgefühl einer neuen Klassengesellschaft zum Ausdruck, in der Solidarität ein Fremdwort zu sein scheint. Die Kluft zwischen Arbeit und Kapital aber auch zwischen verschiedenen Beschäftigungsgruppen vertieft sich.
Kaum ein Tag vergeht ohne Hiobsbotschaften für Beschäftigte. Viele Unternehmen testen derzeit aus, wie weit sie gehen können. Sie kündigen Tarifverträge und schwingen die Keule des Arbeitsplatzabbaus. Zugleich ist die amtierende schwarz-rote Bundesregierung dabei, das Sozialsystem massiv anzugreifen, um «die Wirtschaft» zu entlasten und den Druck auf Arbeitende zu erhöhen.
Der Acht- Stunden-Tag, für den Gewerkschaften seit dem 19. Jahrhundert gekämpft haben, soll fallen – obwohl das Arbeitszeitgesetz schon jetzt fast jede Abweichung zulässt. Die Politik der Prekarisierung wird verschärft; im jüngsten «Reformpaket» wird z.B. festgelegt, dass Befristungen ohne Sachgrund künftig auf 48 Monate ausgedehnt werden können. Kommunale Sozialleistungen wie Wohngeld, Jugendhilfe, Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende, Eingliederungshilfen für Behinderte sollen gekürzt werden, um die klammen Kommunen zu entlasten – doch die Vermögenssteuer, die genau dahin fließen würde, wird seit 1997 nicht mehr erhoben. Die Empfehlungen der «Rentenkommission» (wie das Ende der Rente mit 63, die Einschränkung von Altersteilzeit und die weitere Erhöhung des Rentenalters) sollen eins zu eins umgesetzt werden.
(Wie) geht es anders? Wie kann verhindert werden, dass der kapitalistische Kampf aller gegen alle weiter auf die Spitze getrieben wird, dass Beschäftigte immer konsequenter gegeneinander ausgespielt werden? Es ist höchste Zeit für eine solidarische Politik der Arbeit – in Betrieb, Gewerkschaft und Politik.
Darüber wollen wir mit unserer Referentin Prof. Dr. Nicole Mayer-Ahuja (Universität Göttingen) diskutieren. In ihrem Buch «Klassengesellschaft akut. Warum Lohnarbeit spaltet und wie es anders gehen kann» (Verlag C.H. Beck 2025) formuliert sie Ansatzpunkte, was wir dem allgegenwärtigen Hauen und Stechen entgegensetzen können, das immer mehr Wasser auf die Mühlen rechter Kräfte treibt.
Eine Veranstaltung des Rosa-Luxemburg-Club Nordheide in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen. Eintritt frei.