Die Marx-Herbstschule geht zurück zum Anfang und nimmt sich nach 19 Jahren wieder eine zentrale Frage von MarxʼKritik der politischen Ökonomie vor: Was ist Kapital? Als Marx ab 1861 das (von ihm selbst nie veröffentlichte) zweite Heft von Zur Kritik der Politischen Ökonomie schrieb, musste er dieses Rätsel erstmals systematisch lösen: ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum späteren Kapital. Die in der Marx Engels Gesamtausgabe (MEGA) zuerst veröffentlichten Manuskripte von 1861-63 sind im Dietz Verlag als MEW Bd. 43 erschienen.
Auch vom Kapital ist der erste Band der einzige der drei Bände, den Marx selbst herausgegeben hat. Der Band erschien zu seinen Lebzeiten in drei unterschiedlichen Versionen, in zwei deutschen und einer französischen Ausgabe. Marx hatte die neuen Versionen jeweils noch selbst überarbeitet. Nach Marxʼ Tod besorgte Engels zwei weitere Ausgaben. Der berühmte blaue Band MEW 23, der heute die endgültige Rezeptionsgrundlage bildet, ist die vierte und letzte Version von 1890. Diese unterschiedlichen Varianten und ihre Veränderungen, die besonders den Anfang der Marxschen Kritik der kapitalistischen Produktionsweise betreffen, werden bis heute viel diskutiert.
Doch es gibt neben diesen Varianten auch drei wichtige Vorarbeiten auf „dem Weg zum Kapital“: Die Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie von 1857/58 (MEW Bd. 42), dann Zur Kritik der politischen Ökonomie von 1859 (MEW Bd. 13) und schließlich die Ökonomischen Manuskripte von 1861-63 (MEW Bd. 43), die wir in der diesjährigen Herbstschule lesen. Diese Manuskripte sind interessant, weil es wie später im Kapital um die Entwicklung der grundlegenden Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise geht: um die Verwandlung von Geld in Kapital, um das Rätsel des Mehrwerts und des Profits sowie um die Anwendung und Ausbeutung der Ware Arbeitskraft kurz, es geht um das Rätsel Kapital.
Die Manuskripte von 1861-63 sind aber auch interessant, weil sie Marx gleichsam bei der Arbeit zeigen. Sie zeigen vor allem, gerade im Vergleich mit den anderen Vorarbeiten sowie mit dem Kapital, wo Marx besondere Schwierigkeiten mit seinem Gegenstand hatte, mit der kapitalistischen Produktionsweise die ja der eigentliche Grund für all die Probleme ihrer Darstellung ist. Besondere Probleme bereiten offensichtlich der Anfang im Lichte der Entwicklung und Darstellung der politischen Ökonomie insgesamt, des Weiteren die Übergänge von Ware, Geld und Kapital und schließlich die fundamentalen Kategorien wie der Begriff der abstrakten Arbeit und des Werts, der Ware und des Geldes. Hier nahm Marx in seinen Vorarbeiten immer wieder unterschiedlich Anlauf, und auch im Kapital finden sich noch Ambivalenzen und Unklarheiten.
Das Thema der diesjährigen Marx-Herbstschule ist also ideal sowohl für Einsteiger_innen als auch für Fortgeschrittene, die bereits mit dem Kapital oder den Vorarbeiten vertraut sind.
Programm
Freitag, 23.10.
- 17-18:30 Uhr: Vorstellung des Readers und Einführung ins Thema: Nadja Rakowitz, Christian Frings, sowie: Die Manuskripte von 1861-63 als Vorarbeiten zum Kapital
- 19-21 Uhr: 1. AG-Phase
Samstag, 24.10.
- 10-13 Uhr: 2. AG-Phase
- 13-14 Uhr: Mittagessen
- 14-17 Uhr: 3. AG-Phase
- 19-21 Uhr: Simin Fadaee: Rethinking Marxism Today: Lessons from the Past and the Urgent Path Forward
Sonntag, 25.10.
- 9-11 Uhr: Lesekreis für Frühaufsteher_innen
- 11 Uhr: Jan Hoff: Zur globalen Rezeption des Kapital
Jan Hoff hat u.a. Marx global Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965 (2009) geschrieben sowie ganz aktuell Emanzipatorisches Denken auf sechs Kontinenten (2 Bde. 2026) und ist Mitglied im Verein zur Förderung der MEGA-Edition.
Eintritt: 15,00 € / Ermäßigt: 10,00 € (inklusive Verpflegung)
Eintritt Abendveranstaltung und Vortrag am Sonntag: 2,00 € (Entfällt für Teilmehmer_innen der Herbstschule)
Die 19. Marxherbstschule ist eine gemeinsame Veranstaltung von „Helle Panke“ e.V, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dietz-Verlag, dem Berliner Verein zur Förderung der MEGA-Edition e.V. sowie dem nd. Journalismus von links.
Weitere Infos: http://marxherbstschule.net/10/