In Kooperation mit Bard College Berlin und Zusammenarbeit mit der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA).
Als sich der Reporter des „Wall Street Journal“, Evan Gershkovich, im März 2023 rund 1.450 Kilometer östlich von Moskau mit einer Quelle traf, stürmten maskierte FSB-Agenten den Raum, verbanden ihm die Augen und führten ihn ab.
Er wurde wegen Spionage angeklagt und im berüchtigten Moskauer Lefortowo-Gefängnis inhaftiert. Während der folgenden 16 Monate in Gefangenschaft war Gershkovich zugleich Geisel und Faustpfand im größeren geopolitischen Konflikt zwischen Russland und Europa und den USA. Unter diesen Bedingungen setzte er seine journalistische Arbeit fort und dokumentierte das russische Gefängnissystem, während er auf ein Schicksal wartete, über das auf höchster Regierungsebene entschieden wurde.
Gershkovichs Geschichte – die er hier erstmals einem deutschen Publikum vorstellt – berührt Themen von großer Bedeutung und Dringlichkeit in den USA und Europa: Wie hat der Krieg Russlands gegen die Ukraine die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen dauerhaft verändert? Und wie lässt sich ein Land verstehen, das zunehmend zu einer Blackbox geworden ist und in dem zugleich der Staatsapparat extrem repressiv agiert?
In seinem Buch „Dieses verfluchte wundervolle Land“ berichtet Gershkovich von seiner Verhaftung, seiner Inhaftierung und dem historischen Gefangenenaustausch, durch den er die Freiheit zurückerlangte. Zugleich versucht er, das Land selbst besser zu verstehen und es der Außenwelt näherzubringen.
Im Gespräch mit Joshua Yaffa, der viele Jahre lang für The New Yorker über Russland berichtet hat, wird Gershkovich die erschütternden Details seiner Geschichte schildern und über die Lehren sprechen, die sich daraus für ein transatlantisches Publikum ergeben.
Mit:
- Evan Gershkovich ist Auslandskorrespondent des Wall Street Journal. Er wurde als Sohn sowjetischer Emigranten in New Jersey geboren und lebte mehr als fünf Jahre in Russland, bevor er 2023 verhaftet und wegen angeblicher Spionage für 16 Monate inhaftiert wurde. Seine Texte erschienen außerdem in der New York Times, The Economist und Foreign Policy. 2025 war er als Teil eines investigativen Teams des Wall Street Journal Finalist für den Pulitzer-Preis.
- Joshua Yaffa ist Writer-in-Residence am Bard College Berlin. Er ist Contributing Writer bei The New Yorker und Autor von Between Two Fires: Truth, Ambition, and Compromise in Putin’s Russia, wofür er 2021 mit dem Orwell Prize ausgezeichnet wurde.
Diese Veranstaltung ist Teil der Reihe „Writing Democracy: Stories, Ideas, and Arguments On and Off the Page” des Bard College Berlin und der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Reihe bringt prominente Journalist*innen und Schriftsteller*innen mit einem breiten Publikum in Berlin und darüber hinaus ins Gespräch. Im Zentrum stehen aktuelle gesellschaftliche und politische Fragen, die aus literarischer und journalistischer Perspektive transatlantisch diskutiert werden. Ziel ist es, die transatlantischen Beziehungen in einer herausfordernden Zeit zu stärken.
Fachkontakt
Deitra Myers
Referat EU & Nordamerika, Heinrich-Böll-Stiftung Berlin
E myers@boell.de