Wie müsste eine materialistische Ästhetik beschaffen sein? Über diese Frage entbrannte 1921 in der Kommunistischen Partei Deutschlands eine heftige Debatte. Anlass war die Broschüre Historisch-Materialistisches über Wesen und Veränderung der Künste der Schriftstellerin und Kunsttheoretikerin Lu Märten. Märten, die 1920 der KPD beigetreten war, entwarf darin eine „Wiedergeburt“ der Kunst nach der proletarischen Revolution durch eine „Lehre vom Material“. Sie reagierte damit auf die technischen Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert. Märtens schärfste Kritikerin war Gertrud Alexander, Feuilletonredakteurin der Parteitageszeitung Die Rote Fahne. Dieser Diskussion folgend, werden sowohl die Vorgeschichte als auch die Traditionslinien der verschiedenen Positionen genauer betrachtet und mit heutigen Entwicklungen zusammengedacht.
Anne Hofmann, geboren in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, ist Medienkünstlerin, Gestalterin und Autorin. Sie ist Teil des Redaktionskollektivs outside the box Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik in Leipzig. www.annehofmann.net
Olaf Kistenmacher, Hamburg, promovierte über antisemitische Aussagen in der Tageszeitung der KPD, Die Rote Fahne, während der Weimarer Republik. Zuletzt veröffentlichte er mit Michaela Melián das MaroHeft Auf einer Wellenlänge. Der Mufti von Jerusalem, die NSDAP und eine Rundfunkstation in Königs Wusterhausen. https://forschungsforum.net/mitglieder/olaf-kistenmacher/