Das Schlachtenbergpanorama – künstlerische Zugriffe auf Geschichte und Aufruhr

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1525 erheben sich im Gebiet des heutigen Deutschlands und der Schweiz Zehntausende Bäuer*innen und Leibeigene und wehren sich gegen Ausbeutung, feudale Gewalt und die Herrschaft der Kirche. Am Schlachtberg in Frankenhausen kommt es noch im selben Jahr zu einer entscheidenden Schlacht zwischen aufständischen Bäuer*innen und Landsknechten der Fürsten.

1987 wird auf dem Schlachtberg in einer Gedenkstätte das sogenannte Bauernkriegspanorama eröffnet. Das monumentale Schlachtengemälde war von der SED in Auftrag gegeben und vom Leipziger Maler Werner Tübke ausgeführt worden.

2020 wird Kathrin Rögglas Essay «Das Bauernkriegspanorama» veröffentlicht. In ihrem Text kontrastiert sie Tübkes Schlachtengemälde unter der Annahme, dass es ein neues Bauernkriegspanorama brauche. Vielstimmig verknüpft sie soziale Spaltungslinien mit rechten Wahlerfolgen, dem demografischen Wandel und rassistischer Ausgrenzung zu einem literarischen Panorama, das leere Landschaften, Bushaltestellen und Gewerbegebiete zeigt.

2025 erweckt das Künstler*innenkollektiv Chto Delat einige der Figuren aus Tübkes Panoramagemälde in ihrem Musical «Songs of Hope and Despair» zum Leben und lässt sie durch die Bergbaustadt Hettstedt ziehen. In Anlehnung an Rainer Werner Fassbinders «Die Niklashäuser Fahrt» entwirft ihr Film eine Irrfahrt durch gescheiterte Revolutionen, ökologische Krisen und politische Ängste.

Ebenfalls in 2025 inszeniert das Kollektiv des Guten Willens die Schlacht bei Frankenhausen am Ort des heutigen Panoramamuseums neu. Gemeinsam mit Statist*innen und Live-Action-Roleplay-Gruppen aus der Region entstand eine Drei-Kanal-Videoinstallation des anachronistischen Reenactments in dem die Bäuer*innen unter ständiger Beobachtung von surrenden Drohnen, dem Panoramamuseum und Zeitreisenden späterer Epochen stehen. Anschließend an «Aufruhr 500» entstand das Theaterstück «Der Schlachtenberg und der Tod der Millenial Left», das im Lichte der Bauernkriege einen Blick auf linke Protestbewegungen im 21. Jahrhundert wirft.

Merle Radtke, Leiterin der Kunsthalle Münster, moderiert das Gespräch zwischen Chto Delat, Kathrin Röggla und dem Kollektiv des Guten Willens, in dem ausgehend von Ausschnitten aus Rögglas Essay, Chto Delats Musical und dem Theaterstück des Kollektivs unterschiedliche künstlerische Zugriffe auf Geschichte und ihre Möglichkeitsräume in der Gegenwart diskutiert werden. Das Gespräch findet im Anschluss an das Theaterstück statt.

«Der Schlachtenberg und der Tod der Millenial Left»

  • Einführung: 17:30 Uhr
  • Theaterstück: 18:00 Uhr, Tickets
  • Künstler*innengespräch: 20:00 Uhr, Eintritt frei
  • DJ-Set von Jurimember: 21:30 Uhr

Eine Produktion vom Kollektiv des guten Willens und der Fiege-Volkhardt Produktion. Koproduktion: Theater im Pumpenhaus
Gefördert durch: NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, Kunststiftung NRW, Kulturamt der Stadt Münster, LWL Kulturfonds
Rahmenprogramm in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung NRW und unterstützt durch Die Beauftragung Antifaschismus des Asta der Uni Münster

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Event Detail

17. Oktober 2026 20:00
17. Oktober 2026 21:30
Gartenstraße 123, 48147 Münster

Organizers

Rosa-Luxemburg-Stiftung
info@rosalux.org
Die Rosa-Luxemburg-Stiftung gehört zu den großen Trägern politischer Bildungsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland. Sie versteht sich als ein Teil der geistigen Grundströmung des demokratischen Sozialismus.