Fast vier Jahrzehnte lang gab Karl-Heinz Drescher (1936-2011) dem Berliner Ensemble sein Gesicht: 1962 holte ihn Helene Weigel an Brechts Theater, wo er bis 1999 Plakate, Programmhefte und Publikationen gestaltete. Seine Schrift- und Fotoplakate prägten an Litfaßsäulen und Häuserwänden das Stadtbild Ost-Berlins und wurden immer wieder als „beste Plakate des Jahres“ ausgezeichnet.
Wir lassen heute den zu Wort kommen, für den er gestaltete: mit Brecht-Liedern, Texten und Gedichten. Luzia Ostermann, Andrew Munn und Jacob Greenberg laden ein zu einer Gedanken-Wanderung durch Brechts Texte aus Gegenwind, nassen Wiesen, Zugvögelbewegung und Zeit des Exils.
Die Mezzosopranistin Luzia Ostermann absolvierte ihr Gesangsstudium an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf. Die Verkörperung von Opernrollen von Barock bis Uraufführung zählt ebenso zu ihren Beschäftigungsfeldern wie die Interpretation von Kammermusik, wie zum Beispiel Schönbergs „Pierrot Lunaire“, als auch die Nutzung ihrer Stimme im Dienste von professionellen Chören und Vokalensembles. So war Ostermann in der Saison 2023/24 Akademistin des WDR-Rundfunkchores. Ihre intensive Beschäftigung mit dem Liedschaffen von Komponistinnen brachte ihr dieses Jahr den Nachwuchspreis beim Josephine-Lang-Wettbewerb in Tübingen ein. Als Stipendiatin der Yehudi-Menuhin-Stiftung Live Music Now engagiert sie sich durch Konzerte in sozialen Einrichtungen, dazu führte sie mehrere Jahre Regie bei einer jährlichen Kindermusical-Produktion.
Andrew Munn ist ein in Berlin lebender Bassist. Er wurde an der Juilliard School, am Bard College Conservatory und an der University of Michigan ausgebildet und hat in Hauptrollen und Uraufführungen u. a. an der Berliner Philharmonie, der Carnegie Hall und der Deutschen Oper Berlin gesungen. Brecht ist ihm nicht fremd: Mit „Berlin Verses“ hat er eigene Bearbeitungen von Hanns Eislers und Bertolt Brechts „Hollywooder Liederbuch“ uraufgeführt und war damit Gast der Akademie der Künste und des Hauses für Poesie. Bevor er zum Gesang zurückkehrte, engagierte er sich von 2008 bis 2014 in den Appalachen für Umweltgerechtigkeit und den Strukturwandel in Kohleregionen.
Jacob Greenberg ist Pianist und Kammermusiker mit Lebensmittelpunkt in Berlin, wo er „Close Range“ leitet, einen Unterrichtsort mit unterschiedlichsten Tasteninstrumenten. Als langjähriges Mitglied des International Contemporary Ensemble trat er in ganz Amerika und Europa auf und spielte u. a. mit den New Yorker und den Israelischen Philharmonikern. Er gilt als einer der führenden Liedbegleiter für Neue Musik und lehrt am Tanglewood Music Center.