Eine Ausstellung zum Streik 1956/57.
114 Tage. Der Streik für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von 1956/57
Wer krank ist, geht nicht zur Arbeit – und erhält weiterhin seinen Lohn oder sein Gehalt. Das gilt heute für alle Beschäftigten in Deutschland. Doch das war keineswegs immer so. Dieses Recht musste in harten Auseinandersetzungen erkämpft werden. Daran wollen die IG Metall Kiel-Neumünster und die Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein mit einer gemeinsamen Ausstellung erinnern:
Am 24. Oktober 1956 traten die Arbeiter der Metallindustrie in Schleswig-Holstein, angeführt von den Werftarbeitern, für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in den Streik. Es wurde einer der längsten Arbeitskämpfe in der Geschichte der Bundesrepublik. 114 Tage dauerte er – und er war erfolgreich: Die Streikenden erreichten einen entscheidenden Schritt zur Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten im Krankheitsfall. Der Erfolg setzte auch die Politik unter Druck. Wenige Monate später verbesserte der Bundestag die gesetzliche Absicherung kranker Arbeiter deutlich. 1969 folgte schließlich die vollständige gesetzliche Gleichstellung bei der Lohnfortzahlung.
2026 jährt sich der Streik zum 70. Mal. Dies nehmen wir zum Anlass, auf die Geschichte dieses außergewöhnlichen Arbeitskampfes zu blicken und zu fragen: Welche Streiktaktiken verfolgte die IG Metall? Wie gelang es, die Beschäftigten und ihre Familien während des 16-wöchigen Streiks zusammenzuhalten? Welche Rolle spielten kulturelle Angebote und die Solidarität aus dem In- und Ausland? Wie reagierten Arbeitgeber und Politik auf den Arbeitskampf?
Diesen und weiteren Fragen gehen wir auf 16 Tafeln nach. Dabei wollen wir auch daran erinnern, dass die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall keine Selbstverständlichkeit ist: Sie wurde erkämpft – und sie musste immer wieder verteidigt werden. Das zeigten Hunderttausende Beschäftigte, die 1996 gemeinsam mit ihren Gewerkschaften gegen eine drohende Einschränkung der Lohnfortzahlung protestierten.
Auch heute gibt es Vorstöße, dieses Recht erneut einzuschränken. Diese Ausstellung erinnert deshalb an Kolleginnen und Kollegen, die gut organisiert und solidarisch für die Lohnfortzahlung kämpften – und damit Geschichte schrieben. In Zeiten neuer Angriffe auf Errungenschaften der Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung soll ihr Beispiel Mut machen, auch in Zukunft gemeinsam und entschlossen für unsere Rechte einzutreten.
Die Ausstellung wurde anlässlich der Langen Nacht der Demokratie am 2. Oktober im Kieler Gewerkschaftshaus eröffnet und kann dort bis zum 24. Oktober im Emma-Sorgenfrei-Foyer wochentags zwischen 9-18 Uhr besichtigt werden.
Am 24. Oktober, dem Jahrestag des Streikbeginns, schließen wir die Ausstellung um 11 Uhr mit einer Finissage mit Häppchen, Zeitzeugen und Filmbeiträgen.
Anschließend wandert die Ausstellung während der 16 historischen Streikwochen durch das historische Streikgebiet und wird in den Gewerkschaftshäusern in Flensburg, Rendsburg, Lübeck und Elmshorn gezeigt. Am 13. Februar 2027, Jahrestag des historischen Streikendes, kehrt sie zu einem großen Festakt der IG Metall nach Kiel zurück.
Wir freuen uns auf euren Besuch der Ausstellung!
Eine gemeinsame Ausstellung von Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein und IG Metall Kiel-Neumünster