„Seinen Stammesgenossen, die soeben aufatmend ihre Staatsbürgerrechte in Empfang genommen hatten, war es begreiflicherweise peinlich, dass einer der ihren unbekümmert und ohne Rücksichtnahme loszog, die bürgerliche Gesellschaft zu brandschatzen, in der man gerade Platz genommen hatte, und eine hohe Obrigkeit zu verärgern, der doch Dank und Anerkennung gebührte“, schrieb der 1942 im KZ ermordete Fritz Heymann in seinem Buch „Der Chevalier von Geldern2“ zur Frage, warum jüdische Räuber wie Abraham Picard im Gegensatz zu Schinderhannes von der Geschichtsschreibung vergessen worden sind. „Der Chevalier von Geldern“ versammelte zahlreiche solcher vergessener Geschichten von jüdischen Abenteurern, Gaunern und Rittern; Biografien, die von ihren jüdischen Zeitgenoss:innen lieber unter den Tisch gekehrt wurden, aus Angst, sie würden von einer antisemitisch eingestellten Mehrheitsgesellschaft gegen sie verwendet. Dabei war die Entstehung jüdischer Räuberbanden im 18. Jahrhundert bereits Folge antisemitischer Ausgrenzung.
Nach einer kurzen Einführung von Jonas Engelmann in die Geschichte jüdischer Räuberbanden wird die Berliner Comiczeichnerin Tine Fetz ihren Beitrag über den Räuberhauptmann Abrahmam Picard präsentieren.
Abraham Picard stammte aus einer Familie sogenannter „Betteljuden“, die in ganz Europa unterwegs waren und von der Hand in den Mund lebten – Luftmenschen hätte man sie in Osteuropa genannt. Dennoch ermöglichten ihm seine Eltern, eine jüdische Schule zu besuchen, Hebräisch zu lernen und die religiösen Traditionen zu pflegen. Diese Erfahrung prägte den Räuberhauptmann stark, der später auch auf seinen Raubzügen auf die Einhaltung jüdischer Rituale und Feiertage achtete.
Im Anschluss folgt ein Gespräch mit der Künstlerinn und die Möglichkeit für das Publikum, Fragen zu stellen.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz