Am 4. und 5. Juli soll der Bundesparteitag der AfD in Erfurt stattfinden. Es wird kein gewöhnlicher Parteitag sein. Die AfD repräsentiert eine fundamentale Rechtsverschiebung im politischen Raum, die Grundrechte und demokratische Prinzipien infrage stellt. Zugleich ist ihr Aufstieg nur als Teil von umfassenderen gesellschaftlichen Entwicklungen zu begreifen. Auch in anderen Ländern, die bisher als liberale Demokratien galten, erhalten Kräfte des äußersten rechten Rands großen Zuspruch oder sind bereits an die Herrschaft gelangt – mit dramatischen Folgen für Eingewanderte und Geflüchtete, queere Menschen, Beschäftigtenrechte, den Wohlfahrtsstaat, die Wissenschafts- und Kunstfreiheit, die internationale Friedensordnung und die ökologische Zukunft des Planeten.
„Bevor es zu spät ist“, wollen wir mit öffentlicher Wissenschaft dazu beitragen, diese Entwicklung zu begreifen und Antworten auf sie zu finden. Zentral sind dabei die Fragen, wann und weshalb politische Programme und Praktiken von Ausschluss, Gewalt und Freiheitsbeschränkung als faschistisch gelten können, welche gesellschaftlichen Entwicklungen den Trend dorthin bedingen und wie demokratische Kräfte ihn zurückdrängen können.
Über diese Fragen sprechen wir in Foren zu Migrations-, Geschlechter- und Umweltpolitik, Wahlverhalten und Klassenstrukturen, Faschismustheorien, zivilgesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten, spezifisch ostdeutschen Problemlagen, der Entwicklungsgeschichte des Nationalsozialismus und einigem mehr. Expert*innen aus den Sozial- und Geisteswissenschaften werden in diese Themen einführen; fünf von ihnen führen sie in einem abschließenden Podiumsgespräch zusammen. Im Anschluss können sich Personen, Initiativen und Gruppen austauschen, die angesichts der Gefährdung von Demokratie und Wissenschaftsfreiheit an der Vernetzung öffentlicher Wissenschaft interessiert sind.
Mit: Carolin Amlinger, Floris Biskamp, Paula-Irene, Villa-Braslavsky, André Brodocz, Claudia Bruns, Hauke Dannemann, Ole Deitmer, Klaus Dörre, Silke van Dyk, Naika Foroutan, Alexander Gallus, Stefanie Graefe, Sabine Hark, Cornelius Helmert, Sophia Hoffmann, Frauke Höntsch, Rahel Jaeggi, Meltem Kulaçatan, Franziska Martinsen, Jürgen Martschukat, Bijan Moini, Christian Möstl, Marie Müller-Elmau, Oliver Nachtwey, Carla Ostermayer, Alexej Preißler, Eva von Redecker, Tilman Reitz, Janos Richter, Hartmut Rosa, Miriam Schad, Karin Scherschel, Stefan Schmalz, Sarah Schulz, Susanne Spindler, Maximilian Steinbeis, Margarita Tsomou, Jens-Christian Wagner, Karla Zierold
In Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V.