Reihe zu Neoliberalismus
Parallel zum Ende des Bretton Woods Währungssystems entsteht in Chicago unter Milton Friedman ein theoretisches Projekt. Dieses bildet in den großen westlichen Industriestaaten die Grundlage für einen Wechsel der Regierungspolitik hin zu einer neoliberalen Ausrichtung. Bereits vor Margaret Thatcher (Großbritannien 1979), Ronald Reagan (USA 1980) und Helmut Kohl (BRD 1982) läuteten die „Chicago Boys“ in Chile unter Augusto Pinochet diese Wende ein. Die von Friedman empfohlene Schocktherapie entstand nach seinem Besuch beim Diktator. Gewaltsam und sukzessive werden national und international die neoliberalen Programme durchgesetzt. Heutzutage scheinen sie alternativlos. Als Thatcher in späten Jahren nach ihrer größten Leistungen gefragt wird, antwortete sie: »Tony Blair und New Labour. Wir haben unseren Gegner zum Umdenken gezwungen.« Man muss nicht nach Großbritannien schauen, um zu versteht, was sie meint: Für die HartzIV-Reformen und damit den größten Abbau des Sozialstaats in den 2000er Jahren waren SPD und B90/Die Grünen regierungsverantwortlich.
Neoliberalismus ist nicht nur ein politisches Programm, sondern auch eine Form der Machtausübung. Das Subjekt (des unternehmerischen Selbst) unterwirft sich freiwillig der bestehenden Ordnung. Was sich als Theorie und politisches Programm der Freiheit der Individuen verkauft, ist in seinen theoretischen Grundlagen autoritär. Es wurde historisch gewaltsam durchgesetzt und aufrechterhalten und ist in Konsequenz menschenfeindlich. In einer vierteiligen Veranstaltungsreihe soll sich mit seinen verschiedenen Facetten auseinandergesetzt werden.
13.8., 19:30 Uhr (hybrid): Sophia Boddenberg – Chile als Experimentierfeld des Neoliberalismus
Gemeinsam mit dem Bildungskollektiv Erfurt e.V.