15 Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs und eineinhalb Jahre nach dem Sturz des Assad-Regimes befindet sich Syrien in einer Phase tiefgreifender Umbrüche. Seit der Machtübernahme von Ahmed Al-Sharaa als Interimspräsident im Januar 2025 ist eine neue politische Realität entstanden, doch viele Fragen zur Zukunft des Landes bleiben offen. Trotz angekündigter Reformen und internationaler Hoffnungen bleibt die Lage von Unsicherheit, Machtkonzentration und wiederkehrender Gewalt gegen Minderheiten geprägt. Gleichzeitig setzen viele westliche Regierungen große Hoffnungen in Ahmed Al-Sharaa, während bei vielen Akteur*innen innerhalb und außerhalb Syriens eine gewisse Skepsis aufgrund seiner islamistischen Vergangenheit besteht.
Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Zukunft Syriens und den Perspektiven eines politischen Übergangs hin zu stabilen und demokratischen Strukturen. Wie stellt sich die Sicherheitslage in einem fragilen Machtgefüge dar, in dem Waffen im Alltag weiterhin eine Rolle spielen? Welche Bedeutung haben Minderheitenrechte und der Umgang mit religiösem Extremismus? Welche wirtschaftlichen Perspektiven ergeben sich im Kontext von Wiederaufbau und Stabilisierung, und welche Rolle können Frauen in diesen Transformationsprozessen einnehmen?
Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie neben bestehenden Konfliktlinien auch gesellschaftliche und demokratische Entwicklungen stärker in den Blick genommen werden können. Welche Rolle können zivilgesellschaftliche und demokratische Akteure, sowohl innerhalb Syriens als auch in der Diaspora, spielen? Und wie können sie gestärkt und sichtbarer gemacht werden, auch im Kontext Deutschlands als demokratischem Rechtsstaat?
Über diese Fragen wollen wir mit der syrisch-deutschen Journalistin Mayss Shehawi und Kristian Brakel, Leiter des Büros Beirut der Heinrich-Böll-Stiftung (Libanon, Syrien, Irak) ins Gespräch kommen.
Mit:
- Mayss Shehawi
- Kristian Brakel
Moderation: Dora Zouheir Kuhnle
Mayss Shehawi ist eine preisgekrönte Journalistin, TV-Redakteurin und Social-Media-Content-Kreatorin mit über fünf Jahren Erfahrung in Community-Reporting, TV-Produktion und multimedialem Storytelling. Sie ist spezialisiert auf interkulturelle Kommunikation und crossmediale Content-Strategien und hat bereits über 450 TV-Beiträge produziert sowie zahlreiche Interviews geführt und Social-Media-Kampagnen umgesetzt. Für ihre dokumentarische Arbeit wurde sie mit dem Peter-Binderer Media Award ausgezeichnet. Vor ihrer Tätigkeit beim NDR, wo sie seit 2019 arbeitet, war sie von 2011 bis 2015 als Journalistin in Syrien tätig und zudem als Social-Media-Aktivistin aktiv.
Kristian Brakel arbeitet seit über elf Jahren bei der Heinrich-Böll-Stiftung und ist derzeit Büroleiter des Regionalbüros in Beirut, das für den Libanon, Syrien und den Irak zuständig ist. Zuvor war er unter anderem in der Türkei und Südkorea tätig. Vor seiner Zeit bei der Stiftung arbeitete er als politischer Berater für den Sondergesandten der Europäischen Union für den Nahen Osten sowie als Humanitarian Analyst bei den Vereinten Nationen. Seine berufliche Laufbahn begann er im Auswärtigen Amt im Bereich politische Zusammenarbeit.
Eine Kooperationsveranstaltung der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg und des Migrantinnenbeirats der Stadt Freiburg.