Grundlegende Überlegungen zur frühkindlichen Bildung

Die Qualität der frühkindlichen Bildung wird in den Diskussionen auf der politischen Ebene, auch im Gesprächskreis Bildungspolitik, oftmals vernachlässigt oder mit Vorhaben/ Behauptungen erörtert, die am Kern einer Qualitätsverbesserung völlig vorbeigehen. Dabei ist die Funktion, die Kindertagesstätten in unserer Gesellschaft erfüllen sollen, mehr als relevant: Kitas haben entsprechend dem § 22 Abs. 2 + 3 SGB VIII einen verpflichtenden Förderungsauftrag, der die ‚Erziehung, Bildung und Betreuung‘ des Kindes erfasst. Dabei richten sich die Ziele auf eine Entwicklungsunterstützung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit, eine Unterstützung und Ergänzung der Bildung und Erziehung in der Familie sowie eine Unterstützung der Eltern bei der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie.

In der Praxis bestehen jedoch einerseits entwicklungshinderliche Rahmenbedingungen und andererseits wird der Begriff ‚Bildung‘ mit erster Priorität als eine hauptsächlich kognitive, teilisolierte und funktionsorientierte Vermittlung/ Belehrung von zukünftig notwendigem Wissen verstanden, was einer entwicklungs-/lernpsychologischer und bildungswissenschaftlicher Sicht völlig entgegensteht. Solange diese verkürzte und fachlich vollkommen unhaltbare Vorstellung von Bildung Kindern vorgesetzt wird, bleiben bildungs- und bindungs- bzw. lernpsychologisch bedeutsame Notwendigkeiten für eine nachhaltige Pädagogik unbeachtet und sorgen für entwicklungshinderliche Einschränkungen. Viele Erzieher:innen klagen zusätzlich über zu viel Bürokratie und zu wenig Zeit für pädagogische Arbeit und das bei einem hohen Defizit an ausgebildeten Fachkräften in den allermeisten Bundesländern. Daher ist es notwendig, endlich den Begriff ‚BILDUNG‘ ganzheitlich zu verstehen und für qualitätsorientiertte Rahmenbedingungen zu sorgen, was nur mit einem konsequenten Perspektivwechsel und notwendigen Qualitätsverbesserungen gelingen kann.

Armin Krenz (Jg. 1952) hat in den letzten zwei Jahrzehnten als Honorarprofessor für Entwicklungspsychologie & Elementarpädagogik an vielen (außer)europäischen Universitäten und Instituten gearbeitet sowie Fachtagungen, Qualitätsuntersuchungen & Trägerberatungen, Leitungscoachings, Teamentwicklungsbegleitungen durchgeführt und Vorträge unter dem Oberbegriff „Merkmale einer entwicklungsförderlichen Elementarpädagogik“ gehalten. Er ist Fachbuchgutachter und selbst Autor vieler Fachbücher und ungezählter Fachartikel.

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18. Mai 2026 18:00
18. Mai 2026 19:30
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Die Rosa-Luxemburg-Stiftung gehört zu den großen Trägern politischer Bildungsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland. Sie versteht sich als ein Teil der geistigen Grundströmung des demokratischen Sozialismus.