Angesichts der polarisierten Debatten um Israel und den Nahen Osten mag es schwerfallen sich dies vorzustellen: Doch seit dem 19. Jahrhundert bis weit in das zwanzigste Jahrhundert hinein bestand eine Allianz zwischen beträchtlichen Teilen der jüdischen Emanzipationsbewegungen und der sozialistischen und Arbeiter*innenbewegung. Dies galt für das Russische Reich und die frühe Sowjetunion ebenso wie für Polen, für Großbritannien, für die USA und ebenso für Südafrika, wo Jüdinnen und Juden weit überproportional auf Seiten der im Apartheid-System unterdrückten Schwarzen standen. Auch die kommunistischen, gewerkschaftlichen und antikolonialen Bewegungen in Tunesien und Marokko hatten zahlreiche jüdische Repräsentant*innen. Jüdinnen und Juden waren überproportional stark in den sozialistischen, kommunistischen, anarchistischen und gewerkschaftlichen Strömungen und Organisationen vertreten.
Diese gemeinsame Geschichte wieder stärker in Erinnerung zu rufen ist Anliegen der Reihe „Jüdinnen und Juden in der internationalen Linken“, die Riccardo Altieri, Bernd Hüttner und Florian Weis für die Rosa-Luxemburg-Stiftung seit 2021 herausgeben.
Mehrere Beiträge in den bisher fünf erschienenen Bänden befassen sich auch mit Frankfurter Persönlichkeiten und Strömungen, so mit Jakob Moneta (Band 1), Emil Carlebach (Band 5), der Frankfurter Schule (Band 5), der Jüdischen Gruppe in Frankfurt (Band 1) und mit Max Diamant (Band 2). Über diese jüdisch-sozialistischen, oft auch gewerkschaftlich aktiven Persönlichkeiten wollen wir mit Dalia Moneta, der Tochter Jakob Monetas, sowie den Historiker:innen Yves Müller (zu Emil Carlebach) und mit Zarin Aschrafi (zu „Juden – Linke –Deutsche. Eine Beziehungsgeschichte nach dem Holocaust.“) sprechen.