Jugend in der Ukraine: Welche Räume bleiben für Hoffnung? Feministische Perspektiven auf Gemeinschaft im Kriegsalltag und Wiederaufbau

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine prägt seit mehr als einem Jahrzehnt das Leben einer ganzen Generation junger Ukrainer*innen. Viele der Jüngsten kennen überhaupt kein Leben mehr ohne Luftalarm, Zerrissenheit der Familie und permanente Unsicherheit – und das hat gravierende Folgen auch für die mentale Gesundheit. Schulen müssen improvisieren, an vielen Orten kann nur in Kellern oder online unterrichtet werden, Kindern fehlt der Kontakt zu Gleichaltrigen. Junge Erwachsene stehen unter Druck, sehr schnell Verantwortung übernehmen zu müssen. In den Familien leisten sie Sorgearbeit oder müssen zum Einkommen beitragen, die Zivilgesellschaft ist auf ihr Engagement angewiesen und für die jungen Männer steht über allem die Frage eines möglichen baldigen Einsatzes zur Verteidigung des eigenen Staates. Die Räume für persönliche Entwicklung, zum Schmieden einer eigenen beruflichen und familiären Zukunft sind eng. 

Für junge Menschen stellt sich die Frage, wie sie in einer solchen Situation handlungsfähig bleiben und ihre persönliche Entfaltung weiter selbstbestimmt gestalten können. Welche sozialen Strukturen und Beziehungen können zur individuellen Resilienz beitragen? Wie kann die Politik angemessene Räume für Beteiligung und für ein Hineinwachsen in ein demokratisches Gemeinwesen unterstützen und Vertrauen in staatliche Institutionen aufbauen? Und wie entstehen aus politischen Versprechen Zugehörigkeit und Hoffnung?

Basierend auf konkreten Erfahrungen von gesellschaftspolitisch aktiven jungen Ukrainer*innen gewährt die Diskussion Einblicke in feministische Netzwerke, soziale Orte für Jugendliche und politisches Engagement unter den Bedingungen des Kriegsalltags. Welche Rolle spielen die »dritten Orte« wie Jugendzentren, Bibliotheken, Kulturorte, Parks, Nachbarschaftsinitiativen oder digitale Communities für gesellschaftlichen Zusammenhalt, mentale Gesundheit und politische Teilhabe?

Ein feministischer Wiederaufbau braucht politische Rahmenbedingungen, die das Potenzial vulnerabler Gruppen nicht nur in der Not des Krieges aktiviert, sondern diese auch dauerhaft gleichberechtigt in die Gesellschaft integriert. Inwiefern unterscheiden sich dabei die Bedürfnisse junger Frauen, Männer und queerer Personen? Wie kann effektiv europäische feministische Solidarität gelebt werden? 

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Feministischen Akademie der ukrainischen Organisation „Divchata“ („Girls“/ „Mädchen“) und der Heinrich-Böll-Stiftung statt.  

Mit:

  • Yulia Sporysh, Gründerin und Geschäftsführerin der ukrainischen feministischen Initiative „Divchata“ („Mädchen“), Anne-Klein-Frauenpreisträgerin 2024
  • Valeriia Shalina, Mitglied des Jugendbeirats der Stadt Dnipro 
  • Sofiia Kviat, Mitglied des Jugendbeirats der Verkhovna Rada, Vinnitsia
  • Natalya Pryhornytska, Programm Ye Mistechko, Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ)

Moderation: Anna Antonina Lysiak, Heinrich-Böll-Stiftung

Sprache: Simultanübersetzung Ukrainisch-Deutsch

Fachkontakt
Anna Antonina Lysiak
Heinrich Böll Stiftung
lysiak@boell.de

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Event Detail

21. Oktober 2026 18:00
21. Oktober 2026 20:00
Digitalevent

Organizers

Heinrich-Böll-Stiftung
info@boell.de
Die Heinrich-Böll-Stiftung organisiert Veranstaltungen zu Politik, Demokratie, Umwelt, Europa und internationaler Zusammenarbeit.