Queerinnert – Community Building in Kreuzberg von Berliner LGBTQIA+ Zeitzeug*innen erzählt

Queere Menschen können heute in Berlin aus einer Vielfalt an Angeboten, Räumen und Strukturen wählen: Vereine und Initiativen, politische Gruppen, Beratungsstellen, selbstorganisierte Fürsorge- und Unterstützungsnetzwerke, Kulturorte, Partys, Cafés und mehr. Was heute selbstverständlich oder zumindest selbstverständlich zugänglich erscheint, ist jedoch keineswegs vom Himmel gefallen. Diese Räume sind das Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe, Organisierung und gegenseitiger Unterstützung. Sie wurden aufgebaut, gegen Widerstände verteidigt, immer wieder verändert und an neue Bedürfnisse und gesellschaftliche Bedingungen angepasst.

Dabei lohnt es sich, genauer hinzusehen: Wer hat diese Räume geschaffen? Unter welchen Bedingungen konnten sie entstehen? Welche Kämpfe, Konflikte und Ausschlüsse sind mit ihrer Geschichte verbunden? Und was braucht es, damit sie auch in Zukunft bestehen können?

Queere Geschichte lässt sich nicht allein als Geschichte rechtlicher Fortschritte und gesellschaftlicher Liberalisierung erzählen. Sie ist ebenso eine Geschichte von Protest und politischer Organisierung, von Solidarität und Selbsthilfe, von Care-Arbeit und Community Building. Gerade dort, wo staatliche Institutionen keine Unterstützung boten oder queere Menschen mit Ausgrenzung, Gewalt und Diskriminierung konfrontiert waren, entstanden Strukturen, die füreinander Verantwortung übernahmen. Menschen schufen Orte, in denen sie nicht nur gemeinsam feiern, sondern auch wohnen, beraten, trauern, streiten, lernen und füreinander sorgen konnten.

Gleichzeitig ist es wichtig, die Vergangenheit nicht zu verklären. Auch queere Communities waren und sind von gesellschaftlichen Machtverhältnissen geprägt. Nicht alle Menschen hatten gleichermaßen Zugang zu den entstehenden Räumen und Bewegungen. Fragen nach Geschlecht, Herkunft, Klasse, Rassifizierung, Alter, Behinderung oder Aufenthaltsstatus spielten und spielen eine Rolle. Wer wurde gehört, wer blieb unsichtbar? Wer konnte politische Arbeit leisten, weil andere die notwendige Sorgearbeit übernahmen? Welche Perspektiven wurden in Bewegungen marginalisiert – und welche Geschichten drohen bis heute verloren zu gehen?

Unsere Veranstaltung möchte deshalb nicht nur zurückblicken, sondern Geschichte als lebendige Auseinandersetzung verstehen. Wir möchten den Menschen zuhören, die queere Räume und politische Bewegungen mit aufgebaut, geprägt und verändert haben, und mit ihnen darüber sprechen, was wir aus diesen Erfahrungen lernen können. Dabei interessieren uns nicht nur spektakuläre Momente des Aktivismus, sondern auch die alltägliche, häufig unsichtbare Arbeit, ohne die Communities nicht bestehen können: gegenseitige Fürsorge, das Organisieren von Treffen und Veranstaltungen, das Schaffen von Schutzräumen, das Weitergeben von Wissen und das Knüpfen von Beziehungen zwischen Menschen und Generationen.

Ein intergenerationaler Austausch kann dabei mehr sein als ein Blick zurück. Er eröffnet die Möglichkeit, unterschiedliche Erfahrungen miteinander ins Gespräch zu bringen: Was hat sich verändert? Was wurde erreicht? Welche Konflikte kehren in neuer Form wieder? Welche Erfahrungen und Strategien älterer Generationen können heute noch hilfreich sein – und wo braucht es bewusst neue Antworten? Und nicht zuletzt: Wie können wir verhindern, dass erkämpfte Räume als selbstverständlich betrachtet werden, obwohl ihre Existenz immer wieder von gesellschaftlichen und politischen Veränderungen abhängig ist?

Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, gemeinsam zuzuhören, Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung versteht sich als Einladung, queere Geschichte nicht nur als Vergangenheit zu betrachten, sondern als Teil einer Gegenwart, die wir gemeinsam gestalten – und als Verantwortung dafür, welche Räume und Möglichkeiten zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen.

Wir freuen uns auf einen Abend des Erinnerns, Fragens, Zuhörens und gemeinsamen Weiterdenkens in der Mittelpunktbibliothek.

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Event Detail

17. Oktober 2026 18:30
17. Oktober 2026 20:00
Adalbertstr. 2, 10999 Berlin

Organizers

Berliner Landeszentrale für politische Bildung
melike.cinar@senbjf.berlin.de
Die Berliner Landeszentrale für politische Bildung ist eine Einrichtung des Landes Berlin und organisiert Veranstaltungen der politischen Bildung in unterschiedlichen Formaten.