Worum geht es im politischen Streit um die Umbenennung von Straßen und Gebäuden? Wie sollte die Politik auf Initiativen reagieren? Welche Aspekte sind in der Diskussion über das koloniale Erbe auf kommunaler Ebene zu berücksichtigen?
Kritiker wie der Afrika- und Kolonialismusforscher Ulrich van der Heyden bemängeln, dass der Streit um die Umbenennung von Straßen, Plätzen oder Gebäuden nicht selten auf Grundlage einer empirisch einseitigen Wahrnehmung historischer Fakten oder schwacher wissenschaftlicher Evidenzen geführt wird. Moralische Überlegenheit gepaart mit leidenschaftlicher Ideologie beherrschen stattdessen die öffentlichen Debatten. An die Stelle einer differenzierten, multiperspektivischen Auseinandersetzung träten mit einem erhobenen Ton vorgetragene Bekenntnisse, Verurteilungen und Disqualifizierungen.
Die Politik gerade in den Kommunen ist auf postkolonialistisch argumentierende Initiativen nicht genügend vorbereitet. Wie soll sie auf den zuweilen bilderstürmerischen Eifer regieren und welche Aspekte sind beim Umgang mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands zu bedenken? Wann ist Kritik berechtigt und welche Konsequenzen sollte die Politik daraus ziehen, und wann schießt die Kritik über ihr Ziel hinaus? Welche Gesichtspunkte können bei der Abwägung im Einzelfall eine Rolle spielen? Darüber diskutieren wir mit Prof. Dr. Ulrich van der Heyden.