Über „den“ Zionismus wird in der Partei Die Linke und ihrem Umfeld gerade – wieder einmal – heftig gestritten. Die Charakterisierungen des Zionismus reichen von „Siedlerkolonialismus“ bis hin zur selbstbestimmten jüdischen Heimstatt in „Eretz Israel“ für die über Jahrhunderte hinweg unterdrückten und verfolgten Jüdinnen und Juden in der Diaspora.
Der Zionismus stellte eine spezifische jüdische Form der Nationalbewegungen und Nationalstaatsforderungen dar, wie sie im Europa des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verbreitet waren. Wie viele andere Nationalstaatsbewegungen war auch der Zionismus von Anfang an ambivalent, sowohl Freiheitsbewegung für verfolgte Jüdinnen und Juden in dem Land, in dem ihre Vorfahrern einst gelebt hatten, als auch als potentiell gefährlich für die arabische Bevölkerung in Palästina, das bis zum Ersten Weltkrieg zum Osmanischen Reich gehörte und nach dem Krieg britisches Völkerbundsmandat wurde. Im November 1947 beschloss die UNO-Vollversammlung, auch vor dem Hintergrund der Shoah, mit den Stimmen der USA und der Sowjetunion, bei einer Enthaltung Großbritanniens, einen Teilungsplan für Palästina, der sowohl einen jüdischen als auch einen arabischen Staat vorsah. Im Mai 1948 wurde der Staat Israel gegründet; zu einer Gründung eines Staates Palästina kam es bis heute nicht, weder im Westjordanland, das nach dem Krieg von 1948/49 von Jordanien beherrscht wurde, noch im ägyptisch beherrschten Gaza-Streifen.
Der Zionismus hatte sehr unterschiedliche Strömungen – nationalliberal-bürgerliche, sozialdemokratisch-sozialistische und rechtsnationalistisch-revisionistische. Lange Zeit dominierten im jüdischen Gemeinwesen in Palästina und dann in Israel die sozialdemokratisch-linken Kräfte, seit 1977 hat sich, von Ausnahmen vor allem in den 1990er Jahren abgesehen, die rechte revisionistische Linie immer stärker durchgesetzt, so dass heute die zionistische Linke schwach, die verschiedenen Fraktionen der ultranationalistischen und religiösen Rechten hingegen so stark wie noch nie sind. In der internationalen Arbeiter:innenbewegung gab es sehr unterschiedliche Positionierungen zum Zionismus, die von starker Unterstützung über ambivalente Haltungen bis hin zur klaren Ablehnung reichten.
Angelika Timm ist habilitierte Nahostwissenschaftlerin und Israel-Expertin (Habilitation 1987). Sie lehrte an der Humboldt-Universität, an der Freien Universität Berlin und an mehreren israelischen Universitäten. Von 2008 bis 2015 leitete sie das Israel-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv. Sie veröffentlichte zahlreiche Publikationen über den Nahen Osten, Israel und das deutsch-israelische Verhältnis.
Florian Weis ist Historiker mit Schwerpunkten zur neueren und neuesten britischen und deutschen Geschichte. Er arbeitet seit 1999 in verschiedenen Funktionen in der Rosa-Luxemburg-Stiftung und ist dort gegenwärtig Co-Leiter der Gesprächskreise «Antisemitismus/jüdisch-linke Geschichte und Gegenwart» sowie «Klassen und Sozialstruktur».
Die Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen findet online via Zoom statt.
Mit Anmeldung. Der Link zur Videokonferenz wird am 26. Mai per email versendet.
Zum ThemendossierAntisemitismus auf der Website der Rosa-Luxemburg-Stiftung.