Das Verschwinden des Holocaust: Zum Wandel der Erinnerung

Die Erinnerung an den Holocaust schwindet. Seine Singularität wird zusehends infrage gestellt. Jan Gerber erinnert daran, dass sich die Erkenntnis von der Besonderheit des Verbrechens erst spät durchsetzte. Die Unterschiede zwischen Konzentrations- und Vernichtungslagern, zwischen Buchenwald und Birkenau, Belsen und Belzec, waren lange kaum jemandem bewusst. Auch die Erinnerung begann zeitlich verzögert. Der Holocaust bewegte sich erst seit den Siebzigern aus den Vororten des Gedächtnisses an den Zweiten Weltkrieg in sein Zentrum.

Jan Gerber geht den Ursachen dieser Entwicklung nach. Er fragt nach jenen Bedingungen von Erinnerung und Erkenntnis, die gegenwärtig zu erodieren scheinen. Dazu verbindet er die Gedächtnisgeschichte des Holocaust mit der Politik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. Auf diese Weise werden die aktuellen Debatten über die Bedeutung des Holocaust, sein Verhältnis zu den Kolonialverbrechen und die Politik Israels historisch eingeordnet. Es entsteht eine integrierte Geschichte der Holocaust-Erinnerung.

Referent: Prof. Dr. Jan Gerber ist Leiter des Forschungsressorts »Politik« am Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow. Seit 2024 ist er Honorarprofessor für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt Moderne jüdische Geschichte an der Universität Leipzig. Sein Buch Das Verschwinden des Holocaust: Zum Wandel der Erinnerung ist 2025 in der Edition Tiamat, Berlin erschienen.

Zum Event

Event Detail

10. November 2026 19:00
10. November 2026 21:00
Wilhelmstraße 8, 72074 Tübingen

Organizers

Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
poststelle@lpb.bwl.de
Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB BW) ist eine Einrichtung des Landes und bietet offene Veranstaltungen der politischen Bildung (u. a. Vorträge, Seminare, Tagungen, Podiumsdiskussionen, Aktionen).