Digitale Gewalt und patriarchaler Alltag
Collien Fernandes kämpft schon lange gegen digitale Gewalt, der sie seit Jahren ausgeliefert ist. Nun hat sie mit ihrer Anzeige gegen ihren Ex-Mann und der SPIEGEL-Recherche eine längst überfällige Debatte ausgelöst. Deepfake-Pornografie, nicht einvernehmlich hergestellte und veröffentlichte Bildmaterialien und gezielte digitale Erniedrigung sind keine Randphänomene – sie sind Ausdruck struktureller patriarchaler Machtverhältnisse, die im digitalen Raum eine neue, schwer greifbare Form annehmen.
Was auf den ersten Blick wie ein prominenter Einzelfall wirkt, verweist auf ein systematisches Problem: Männer üben eine gewaltförmige Dominanzkultur aus. Digitale Gewalt gegen Frauen* ist keine Ausnahme, sondern Alltag. Sie trifft Aktivistinnen, Politikerinnen, Journalistinnen – und unzählige Frauen, deren Namen nie in den Schlagzeilen erscheinen. Künstliche Intelligenz senkt die technische Hürde, Plattformen profitieren von Empörung und Reichweite, und das Strafrecht hinkt der Realität strukturell hinterher.
Wie lassen sich digitale und physische Gewalt und patriarchale Alltagsverhältnisse zusammendenken, vor allem vor dem Hintergrund, dass das eigene Zuhause immer noch der gefährlichste Ort für Frauen* ist? Wie ist die Gesetzesinitiative von der Justizministerin Stefanie Hubig einzuschätzen? Wieso werden trotz des steigenden Bedarfs Förderungen von Gewaltschutz und Frauenhäuser massiv abgebaut? Und welche Rolle spielen Plattformbetreiber, deren Geschäftsmodelle auf Aufmerksamkeit beruhen – unabhängig davon, womit diese erzeugt wird? Diesen Fragen gehen wir in einer Podiumsdiskussion nach, die den aktuellen Fall zum Ausgangspunkt nimmt, ohne bei ihm stehenzubleiben.
Die Veranstaltung wird live übertragen, wir bitten um Anmeldung für die Teilnahme vor Ort (s. o.).