From the material intellect to ‘social virtuosity‘

Die cartesianische Formel cogito ergo sum, „Ich denke, also bin ich“, deren Widerspruch zur gesellschaftlichen Natur des Verstandes Alfred Sohn-Rethel hervorgehoben hatte, ist als spontanes Ergebnis einer tabula rasa, eines radikalen Zweifels, tief in der kollektiven Psyche verankert. Man kann die Formel jedoch auch als ein historisches Konstrukt betrachten. Man könnte sie beispielsweise auf den wohl hitzigsten scholastischen Streit zurückführen, von dem wahrscheinlich kaum jemand gehört hat: auf die Kontroverse des 13. Jahrhunderts um den „materiellen Intellekt“. „Dieser Mensch denkt“ (lat. hic homo intelligit) lautet das theologische Axiom, mit dem Thomas von Aquin eine Kontroverse beendete, ohne die man sich weder das cartesianische cogito noch, und schon gar nicht, das Kantische „Ich denke“ (Ich denke überhaupt) vorstellen kann. Der Deckname für diese Kontroverse, „Averroismus“ (Averroës ist die lateinische Bezeichnung für Ibn Rushd), steht nicht für eine Bewegung oder Denkschule, sondern für eine Haltung des Widerstands gegen die Orthodoxie und eine radikale Verteidigung der Freiheit der Vernunft – eine Haltung, die bis heute Erschütterungen durch das westliche Denken sendet und in deren abgehackter und verschleierter Überlieferung ich Mattins Social Dissonance lesen werde.

Cécile Malaspina ist Philosophin und arbeitet an der Schnittstelle von spekulativem Realismus, Philosophie und Geschichte der Wissenschaft und Technik sowie den Künsten. Sie lehrt an der School of Materialist Research. Malaspina ist die Autorin von An Epistemology of Noise, Bloomsbury Academic, 2018, und die offizielle Übersetzerin von Gilbert Simondons On the Mode of Existence of Technical Objects, Minnesota University Press, 2017. Zu ihren jüngeren Veröffentlichungen gehören: From the Mental State of Noise to the New Frontiers of Techno-Human Cognition: Creative Disruptions Across AI, Gaming, Modelling, French Theory, and Politics, ed. Malaspina, Routledge, 2026, sowie Simondon and Information: A Qualitative Topological Concept. In: The Edinburgh Companion to Gilbert Simondon, eds. Andrea Bardin, Marco Ferrari, Anaïs Nony und Gregorio Tenti, Edinburgh University Press, 2025. Malaspina lebt und arbeitet in London.

Moderation: Katarina Kolozova

Der Vortrag ist auf Englisch, Fragen für die Diskussion können auf Englisch wie Deutsch gestellt werden. Keine Anmeldung erforderlich.

Eine Kooperation von Helle Panke e.V. und der School of Materialist Research.

Kosten: 2.00

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Event Detail

5. November 2026 19:00
5. November 2026 21:00
Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin

Organizers

Rosa-Luxemburg-Stiftung
info@rosalux.org
Die Rosa-Luxemburg-Stiftung gehört zu den großen Trägern politischer Bildungsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland. Sie versteht sich als ein Teil der geistigen Grundströmung des demokratischen Sozialismus.