Nach Anschlägen werden Medien und soziale Netzwerke binnen Minuten zu zentralen Orten der Orientierung – und der Verunsicherung. Die Art der Berichterstattung und Kommunikation prägt entscheidend, wie Ereignisse eingeordnet werden: Stehen Täterinnen und Täter im Fokus oder die Perspektiven der Betroffenen? Wird ein Anschlag als Einzelfall oder als Ausdruck struktureller Probleme verstanden?
Gerade in dieser frühen Phase entscheidet professionelle Krisenkommunikation darüber, ob Vertrauen entsteht, Panik vermieden und Stigmatisierungen entgegengewirkt wird – oder ob Gerüchte, Desinformation und falsche Verdächtigungen die öffentliche Wahrnehmung bestimmen. Der Webtalk beleuchtet, wie Behörden, Medien und Redaktionen in den ersten Stunden nach einem Anschlag Verantwortung übernehmen können: Welche kommunikativen Entscheidungen sind zentral? Wie lässt sich transparent informieren, ohne Ermittlungen zu gefährden? Und welche Rolle spielen journalistische Faktenchecks dabei, falsche Narrative frühzeitig einzuordnen und ihre Verbreitung zu begrenzen?
Marcus da Gloria Martins ist seit 1994 in zahlreichen Verwendungen und bundeslandübergreifend im Polizeidienst. Zu seinen letzten Schwerpunkten gehörte unter anderem die behördliche Kommunikationsplanung. Aktuell ist er verantwortlicher Leiter des polizeilichen Staatsschutzes im Polizeipräsidium München und damit befasst mit den Bereichen Extremismusbekämpfung und der Verfolgung ideologisch motivierter Kriminalität. Bundesweit bekannt wurde er durch seine besonnene und empathische Krisenkommunikation nach dem OEZ-Anschlag 2016.
Sarah Thust beleuchtet die Rolle von Desinformation und Gerüchten, die sich in den Stunden nach einem Anschlag oder Angriff rasant verbreiten. Sie erklärt, wer von solchen Narrativen profitiert und wem sie schaden. Ob Akteure falsche Verdächtigungen in Umlauf bringen oder Influencer Fakes für Aufmerksamkeit nutzen – Faktenchecks können hier aufklären.
Der Webtalk findet im Rahmen der Webtalkreihe „Getroffene Orte – Lokale Strategien im Umgang mit islamistischer und rassistischer Gewalt“ statt. Weitere Informationen zu dieser Reihe finden Sie hier oder unter https://www.radis-forschung.de/forschung/veranstaltungen/webtalkreihe-30.